Wildschweine sind scheu und schlau

Wildschweine sind intelligente und anpassungsfähige Wildtiere. Nicht alle freuen sich über ihre Ausbreitung.

Wildschweine riechen und hören sehr gut
Wildschweine riechen und hören sehr gut (Bilder: Archiv)

von
Claudia Marek

08. Februar 2018
09:00

Exkursion: Biologie und Jagd

Die Wanderung auf den Spuren der Wildschweine führt in Feld und Wald im Schenkenbergertal. Die Exkursion führt Thomas Stucki, Leiter der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons. 

Körperliche Fitness ist erforderich. Das Gelände ist steil. Der Anlass ist kostenpflichtig. Anmeldung bis
22. Februar an Jurapark Aargau, 062 877 15 04, anmeldung@jurapark-aargau.ch


Sonntag, 25. Februar, 13 bis 16 Uhr, Bushaltestelle Post, Schinznach-Dorf

So zahlreich die Wildschweine im Aargau auch sind, zu Gesicht bekommt man die Tiere kaum. Wildschweine sind scheue, aber wehrhafte Tiere. Thomas Stucki, Jäger, Biologe und Leiter der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons, bietet auf einer kleinen Wanderung Einblick in das Leben dieser Wildtiere. Er zeigt auch Probleme und mögliche Lösungen auf. Die Wanderung, organisiert vom Jurapark Aargau, führt in Feld und Wald im Schenkenbergertal.


Fast ein Schlaraffenland

«Das Wildschwein findet bei uns fast ganzjährig einen gedeckten Tisch», sagt Thomas Stucki. Wildschweine sind Allesfresser und verzehren unter anderem Wurzeln, Pilze, Früchte, Pflanzensamen, Würmer und Mäuse. Der bevorzugte Lebensraum dieser Wildtiere sind Laubmischwälder. Da sie sehr anpassungsfähig, intelligent und lernfähig sind, könnten sie verschiedene Lebensräume besiedeln. Die weiblichen Tiere (Bachen) leben mit ihren Jungtieren (Frischlingen) in Gruppen, sogenannten Rotten. Ältere männliche Tiere (Keiler) leben solitär. 

Eine Wildschwein-Familie auf der Suche nach Futter
Eine Wildschwein-Familie auf der Suche nach Futter

Gut getarnt

Obwohl man die Tiere selten sieht, nehmen die Wildschweine den Menschen durchaus wahr. «Aufgrund der menschlichen Aktivität sind sie bei uns nachtaktiv», erzählt Thomas Stucki. «Sie verfügen über einen sehr guten Geruchs- und Gehörsinn, sind gut getarnt und daher in ihren Verstecken schlecht zu erkennen beziehungsweise zeigen sich selten den Menschen.» Aufgrund von mehreren milden Wintern, in denen alle Frischlinge überlebten, und guten Nahrungsbedingungen seien die Bestände hoch, so Stucki. Das freut nicht alle. Die Schäden, die sie im landwirtschaftlichen Kulturland verursachen, sind beträchtlich. Nach ihren nächtlichen Streifzügen durch Wald und Feld hinterlassen sie oft Löcher in landwirtschaftlichen Nutzflächen oder Rasen. «Wenn die Wildschweine in Mais-, Kartoffel- oder anderem Getreide und Gemüsekulturen aktiv sind, gibt das rote Köpfe bei den Bewirtschaftern», erzählt Thomas Stucki.


Lieber auf dem Teller

Kurt Mathys vom Schryberhof in Villnachern kennt das Problem. Gerade im Spätherbst vor dem Winter würden die Wildtiere vermehrt auf Wiesen und Feldern nach Würmern suchen. «Die Wiese sieht danach wie umgegraben aus», erzählt er. Auf den Winter hin bräuchten sie tierisches Eiweiss. «Wildschweine sind schlau, die wissen genau, was sie brauchen», so Mathys. Die Schäden hätten jetzt abgenommen, da sich die Tiere vermehrt im Wald aufhalten und nach Eicheln oder Buchnüssen suchen. Vor drei Jahren hätten die Tiere eine neue Liebe entdeckt, erzählt Kurt Mathys wenig erfreut. Die Wildschweine hatten sich im Rebhang gütlich getan und in einer Nacht die Trauben von vier Rebreihen abgeräumt. «Die sind auf den Geschmack gekommen», meint er sarkastisch. In der Zwischenzeit hat die Familie einen Teil des Rebhangs mit einem starken Maschendrahtzaun eingezäunt und zusätzlich mit einem Elektrozaun gesichert. Seitdem haben sie dort Ruhe, nicht aber auf der anderen Seite, wo die Reben nur mit einem Maschendrahtzaun geschützt sind. 

Dort hätten sich die Wildschweine trotzdem Zugang verschaffen können. «Wenn wir alles mit einem doppelten Zaun sichern müssen, steigen die Produktionskosten», sagt Kurt Mathys. Die Zuneigung zu den Tieren scheint sich bei Mathys in Grenzen zu halten. Mathys verneint dies. «Ich mag die Tiere sehr» betont er, «auf dem Teller.» 


Schwer zu zählen

Wie stark die Population in den letzten Jahren gewachsen ist, könne man nicht sagen, erzählt Martin Wyler von der Jagdgesellschaft Brugg-Kästhal. «Man kann Wildschweine nicht zählen wie Rehe», so Wyler. Fachleute würden davon ausgehen, dass die Population pro Jahr um 200 bis 300 Prozent zunehme. Davon würde die Jagdgesellschaft nicht viel merken, da sie konstant den hohen Jagddruck aufrechterhält. «Wir erlegen pro Jahr 30 bis 40 Säue», erzählt Wyler. Im ganzen Kanton wurden im Jahr 2016 (die Zahlen 2017 sind noch nicht da) 1192 Wildschweine geschossen. Die Tiere sind schwer zu jagen. Sie sind intelligent, verfügen über einen ausgeprägten Geruchs- und Hörsinn und sind bei uns nachtaktiv. «Viele unserer Jäger sind im arbeitsfähigen Alter und können deshalb nicht die ganze Nacht auf der Jagd sein», sagt Martin Wyler. «Die Wildschweine merken das schnell und sind dann nach Mitternacht unterwegs, wenn die Jäger schlafen.»


Miteinander reden 

In Elfingen und Effingen, dem Revier der Jagdgesellschaft, bestehe eine gute Zusammenarbeit mit den Bauern. «Wir waren mit der Jagd erfolgreich, dadurch sind weniger Schäden auf den Feldern entstanden», erzählt Martin Wyler. «Ein reger Informationsaustausch zwischen Bauern und Jägern ist enorm wichtig», betont er.  Die Schäden werden den Bauern vergütet. Im Kanton Aargau bezahlt jede Jagdgesellschaft 25 Prozent des Revierpachtzinses an die Schadensumme, der Rest werde vom Kanton vergütet. Die Stimmung bei den Bauern sei unterschiedlich. «Einige sind zufrieden mit der Vergütung, andere nicht», sagt Martin Wyler.

Nebst den grossen Wildschäden, die das Wildschwein im Kulturland anrichten kann, entstehen auch positive Effekte. Die Wühlaktivitäten im Wald sorgen für ein gesundes Bodenklima, fördern die Keimung von Baumsamen und erhöhen die Artenvielfalt.  

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