Weg vom Kiffer-Image

CBD-Hanf erlebt zurzeit einen Boom. Verkäufer wehren sich gegen das Kiffer-Image und setzen auf Transparenz und innovative Ladenkonzepte.

Ladenbesitzer Marc Burnier mit seinen Mitarbeitern Claudio Tedesco und Thomas Wettstein
Ladenbesitzer Marc Burnier mit seinen Mitarbeitern Claudio Tedesco und Thomas Wettstein (Bild: av)

von
Adrian Vonlanten

03. August 2017
09:00

1 Kommentare

Was ist CBD?

In der Hanfpflanze finden sich hunderte verschiedener chemischer Stoffe, unter anderem rund 80 Cannabinoide. Das bekannteste Cannabinoid ist der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) das in bestimmter Dosis psychoaktiv wirkt und aus diesem Grund unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Im Gegensatz zum illegalen THC greift der Wirkstoff Cannabidiol (CBD) das Nervensystem nicht an, da der THC-Gehalt unter einem Prozent liegt. CBD wirkt deshalb nicht berauschend, soll aber eine beruhigende, entzündungshemmende Wirkung haben.

«Weisse Magie», «Fruchtiger Max» und «Stadt Fuchs» – was sich wie die Getränkekarte einer Bar liest, sind stattdessen CBD-Hanf-Produkte, die es beim «DeLadeVoBade», einem Start-Up an der Weiten Gasse 15 in Baden zu kaufen gibt. Ende April öffnete Marc Burnier mit zwei Kollegen die Türe zu seinem Laden oberhalb eines bekannten Badener Kepab-Imbisses. Es ist bereits das zweite Geschäft in der Stadt, das sich hauptsächlich auf den Vertrieb des legalen CBD-Hanfs konzentriert. Das Geschäft boomt. «Man hat uns prophezeit, dass wir mit rund ein bis eineinhalb Jahren rechnen müssen, bis wir schwarze Zahlen schreiben. Den Breakeven haben wir jedoch bereits nach einem Monat erreicht», freut sich Besitzer Marc Burnier.

Im «DeLadeVoBade» gibt es den CBD-Hanf ab 10 Franken pro Gramm. Sechs verschiedene Sorten mit unterschiedlichem CBD-Gehalt stehen zum Verkauf. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie weisen weniger als ein Prozent des Wirkstoffs THC aus und fallen aus diesem Grund nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Marc Burnier profitiert vom aktuellen Boom, auch wenn sein Laden den CBD-Hanf in Baden nicht exklusiv vertreibt. Über ein Kilo geht jeden Monat über den Ladentisch oder wird via Onlineshop bestellt. Das Geschäft mit dem legalen Hanf floriert, ganz zur Freude der hiesigen Produzenten und Verkäufern. Etwas weniger erfreut über den aktuellen CBD-Boom dürfte die Polizei sein. Diese wird durch das Aufkommen des legalen Hanfs vor neue Herausforderungen gestellt, denn von blossem Auge ist der legale CBD-Hanf nicht vom illegalen THC-Produkt zu unterscheiden. Geschmack und Aussehen ist praktisch identisch, nur ein Labortest gibt Aufschluss darüber, ob es sich um das legale oder illegale Produkt handelt. Einen wilden Kontrollwahn kann der Ladenbesitzer Burnier dadurch aber nicht feststellen. «Wir haben noch keinen Besuch von der Polizei erhalten. Sie sind aber herzlich willkommen. Wir haben nichts zu verstecken», stellt er klar.

  • «DeLadeVoBade» vertreibt sechs verschiedene Sorten von CBD-Hanf
    «DeLadeVoBade» vertreibt sechs verschiedene Sorten von CBD-Hanf

Vom Anzugträger bis zur Putzfrau

Der «DeLadeVoBade»-Inhaber will mit seinem neuen Laden dem Kiffer-Klischee entgegenwirken. Das Geschäft ist alles andere, als eine verrauchte Höhle. Man setzt auf Ambiente und begrüsst seine Kundschaft in einem hellen, ansprechend gestalteten Laden.

Nicht einmal die Kunden selbst bestätigen das Klischee. «Vom Anzugträger bis zur Putzfrau ist alles dabei», erklärt Burnier. Von 18 bis 79 Jahre alt seien seine Kunden und auch wenn sich viele für den CBD-Hanf, der sich zu Zigaretten verarbeiten lässt, interessierten, fänden auch die übrigen Hanf-Produkte des Sortiments Anklang. Wie zum Beispiel CBD-Tinkturen, Öle und Hanftee bis zu kosmetischen Produkten wie Hanf-Shampoo, -Bodylotion oder Massageöl mit Hanfextrakten.


CBD gegen Schlafstörungen

«Wir sind nicht dazu berechtigt medizinische Beratungen durchzuführen, empfehlen stattdessen unseren Kunden, sich via Internet über die Wirkung des CBD-Hanfs zu informieren», betont Burnier. So hätte es eine Kundin gemacht, die nach der Lektüre von Erfahrungsberichten auf dem Internet vor kurzem den Laden an der Weiten Gasse aufsuchte. Unter Schlafstörungen leidend und nach etlichen erfolglosen Arztbesuchen, entschied sie sich, den Versuch mit dem CBD-Hanf zu wagen. Der CBD-Joint am Abend habe ihr geholfen. Inzwischen schlafe sie wieder durch und gehört seitdem zur Stammkundschaft.

Natürlich ist auch der Ladenbesitzer selbst überzeugt ob der Wirkungen des CBD, auch wenn diese bisher noch wenig erforscht sind. «CBD-Hanf wirkt beruhigend und entspannend. Ich schlafe viel besser, weil ich nach einem anstrengenden Tag schneller runter fahren kann», beschreibt er seine persönlichen Erfahrungen. Im CBD liege ein grosses Potenzial, insbesondere im medizinischen Bereich. Damit steht Burnier nicht alleine. Zurzeit testen Forscher, ob CBD für die Therapierung von depressiven Patienten verwendet werden könnte.


Die Spreu vom Weizen trennen

Die Nachfrage nach CBD habe aber auch viele dubiose Produzenten auf den Plan gerufen, beschreibt der Unternehmer die Kehrseite des aktuellen Booms. Viele wollten auf den CBD-Zug aufspringen, teilweise mit Jux-Produkten. «Ich scanne den Markt regelmässig und informiere mich über neue Produkte.» Er werde laufend sein Sortiment erweitern, aber nur Produkte aufnehmen, wenn sie sich auch am Markt bewährt haben. Am Schweizer Markt, betont Burnier, er setze auf einheimische Produkte.

Kommentare (1)

  1. Isabel Steiner Peterhans
    Isabel Steiner Peterhans am 08.08.2017
    ... sehr sympathisch, die ganze Sache. Die drei Jungs sowieso!
    Antworten

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