Von Alpakas fasziniert

Tierliebe auf dem Bözberg: Alpakas sind kamelartige Tiere. Sie gehören zur Gruppe der Neuwelt-Kameliden. Seit einigen Jahren werden sie auch in der Schweiz gehalten.

Roland Hauri ist dem Charme der Alpakas erlegen
Roland Hauri ist dem Charme der Alpakas erlegen (Bilder: zVg/Susanne Köfer)

von
Hans Lenzi

23. November 2017
14:50

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Roland und Irene Hauri aus Egenwil sind dem Charme der Alpakas ab der ersten Stunde erlegen. Die scheuen und ruhigen Tiere bereichern ihr Leben. «Ich liebe Tiere, seit ich mich erinnern kann», so der Wahlbözberger. «Schon früh hielt ich mir Kleintiere. An mir ist wohl ein Landwirt verloren gegangen.» Aufgewachsen ist Hauri in Brunegg. Nach der Schule lernte er Koch, wechselte danach in den Pneuhandel und war schon um die zwanzig freier Unternehmer. 32 Jahre lang arbeitete er mit vollem Einsatz, wuchtete Tausende von Autorädern aus und garantierte rund zehn Angestellten ein regelmässiges Einkommen. «Bei allem Stress fand ich immer Zeit für meine damals rund fünfzig Schafe, sie waren ein guter Ausgleich zum intensiven Job», weiss der 67-Jährige. «Vor zehn Jahren hab ich mein Pneuhaus ver­äussert, meine drei Mädchen sind längst aus dem Haus. Und weil ich mit meiner Ehepartnerin bei Egenwil optimale Bedingungen zur Alpakazucht vorfand, liessen wir uns vor bald fünf Jahren hier nieder.»


Sensible Herdentiere

Wie bei den Pferden spricht man auch bei den Alpakas von Hengsten, Stuten und Fohlen. Erstere hält man als eigene Herde; sind mehrere Männchen in einer Herde mit weiblichen Tieren zusammen, ist rasch der Teufel los: Sie schlagen aus, beissen und hauen ihre Hälse gegeneinander. Roland Hauri: «Aktuell sind unsere Wiederkäuer in drei Gruppen aufgeteilt. Weil mir ein Hund ein Jungtier gerissen hat, ist neu jeder Herde zwingend ein Hengst zugeteilt. Obwohl eigentlich zurückhaltende Wesen, verteidigen diese – und die Mütter – bei Bedrohung ihren Nachwuchs vehement. Seither habe ich Ruhe. Hengste untereinander sind friedlich.» Bei grossem Stress, beispielsweise beim frühjährlichen Scheren, würgen die Paarhufer Magensaft hervor und spuken. Der stinkende Auswurf ist unangenehm, aber ungefährlich. 

Ist eine Stute trächtig und nähert sich ihr ein Hengst in eindeutiger Absicht, spukt sie ihn ebenfalls weg, gleichsam ein guter Indikator dafür, ob die Damen schon gedeckt sind. Hauris Alpakas sind alle gechipt und ins Herdenbuch eingetragen. Albinotiere – weisses Fell, blaue Augen, fast immer taub – und andere mit Makel Behaftete werden nicht weitergezüchtet. 

Kaum krankheitsanfällig

Laut Irene Hauri lassen sich Alpakas gut halten, sie brauchen aber genügend Auslauf. «Und als ursprüngliche Andengeschöpfe halten sie auch Minustemperaturen bestens aus. In den frei zugänglichen Stall wechseln sie bloss bei grosser Hitze, zum Trinken oder bei starkem Regen und bei Schnee, denn sie stehen ungerne im Matsch. Die Fluchttiere sind gleichzeitig neugierig. Ihre weichen Sohlen sind umhornt; haben sie zu wenig Auslauf, muss das Horn zurückgeschnitten werden. Nur der Unterkiefer ist bezahnt, oben existiert eine Zahnfleischkante. Ihre Kauwerkzeuge wachsen ein Leben lang; ist ihre Nahrung zu wenig abrasiv, muss der Veterinär in seltenen Fällen die zu langen Zähne zurückschleifen.» 

Alpakas sind wenig krank, sie müssen aber regelmässig entwurmt werden. Zudem versäubern sie immer schön am selben Ort. Um Reinfektionen zu verhindern, sieht man die Besitzer die Köttel regelmässig wegsaugen. Wertvoll sind die Felle: leichtes, feines, nicht fettendes Material, das sich bestens für Duvetfüllungen oder zum Stricken eignet. «Wir scheren unsere Schützlinge aber nicht selber, dafür kommt jeden Frühling ein Spezialisten-Team vorbei. Pro Adultes fallen rund drei Kilo Wolle an. Während ein ausgewachsener Hengst seine 120 Kilogramm auf die Waage bringt, sind es bei der Stute deren achtzig. Und das übliche Stockmass beträgt neunzig Zentimeter. Alpakas können bis
20 Jahre alt werden.» 


Ideale Therapie-Tiere

«Momentan besitzt die Klinik Barmelweid sechs von unsern Schwielensohlern, welche sie als Therapietiere einsetzen. Ihre ruhige Art wirkt sich wohltuend auf gestresste, kranke Zeitgenossen aus», gibt Roland Hauri Auskunft. «Unsere Alpakas werden nicht geschlachtet – obwohl ihr Fleisch mager-zart ist –, sondern wir verkaufen die Jungtiere an andere begeisterte Tierbesitzer oder solche, die es werden wollen. Alpakas sind gute ‹Rasenmäher›, halten die Grünfläche tief. Sie knabbern die Halme nur ab, dadurch wird die Grasnarbe kaum verletzt. Sie sind also eigentliche Landschaftsgestalter.» Die Hauris produzieren auf ihren sieben Hektaren das Winterfutter selber; Kraftzusatz – vorab Karotten – hält sich in Grenzen und gilt vor allem den Stuten, welche geworfen haben. 

Auf Anfrage führen die Hauris mit ihren Tieren auch sogenannte Trekkings durch, was zum Beispiel bei Schulklassen begehrt ist. Und sind sie ob der vielen Tiere nicht ständig angebunden, können sich keine Ferien leisten? «Überhaupt nicht. Dank guter Nachbarn gönnen wir uns immer wieder mal Auszeiten. Wir sind kulturell interessiert, lieben das gemütliche Essen im Restaurant, das heisst, wir kommen nicht zu kurz», lächelt die ehemalige Flight Attendant der Swissair. Neben den An­dentieren halten die Hauris noch zwei Hunde, Enten, Fasane, Pfauentauben, Kanarienvögel, Kaninchen und vier Ziegen – fast ein Kleinzoo. Langeweile kommt da bestimmt nie auf. 




Trekkinginteressierte melden sich unter alpakasvomboezberg@gmx.ch.
Alpaka-Duvets bestellt man unter derselben Adresse.

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