Seit 15 Jahren hat Baden den Blues

Baden ohne Bluesfestival: Das geht gar nicht. Seit 2004 ist die lebensfrohe Limmatstadt jährlich eine Woche lang im Groove des Blues.

Susanne Slavicek engagiert sich jedes Jahr für das Bluesfestival
Susanne Slavicek engagiert sich jedes Jahr für das Bluesfestival (Bild: isp)

von
Isabel Steiner Peterhans

16. Mai 2018
09:00

Susanne Slavicek, 55

aus Baden organisiert das Bluesfestival, zusammen mit einem engagierten Team. Dieses umfasst 10 Ressortchefs, 14 Arbeitsgruppenmitglieder, eine vierköpfigen Strategiegruppe und ein bis zwei Praktikanten. 

Susanne Slavicek, spielen Sie ein Instrument?

Früher einmal Altflöte – allerdings mit mässigem Erfolg!

 

Als Organisatorin des Bluesfestivals sind Sie heutzutage ganz im Musikbusiness zu Hause. Wie läuft es so kurz vor dem Start des Festivals?

Die Hauptarbeit ist getan, die gros-sen Aufgaben sind erledigt. Seit drei Wochen sind wir dran, die Ablaufpläne miteinander durchzusprechen und die Detailarbeit zu erledigen. Das geht von Lieferzeiten absprechen über Flyer und Plakate bereitstellen, bis hin zu Speisekarten und Beschriftungen. Nach diesem Gespräch werde ich noch zwei Stunden im Büro arbeiten und danach nach Zürich in den Glockenhof fahren, um das Konzert von Lilly Martin, das zum Rahmenprogramm des Bluesfestivals gehört, zu geniessen.

 

Heuer hat das Bluesfestival sein 15-Jahr-Jubiläum. Wie wird gefeiert?

Wir haben zwei namhafte Künstler engagiert, die etwas länger in Baden verweilen und sich sicher zum ein oder anderen spontanen «Ad hoc»-Konzert entscheiden. Zudem findet erstmals ein «Bluescamp» für Jugendliche statt, in Form eines Intensiv-Workshops mit den Coaches Patrik Schneider und Sigi Nikitscher, die auf ganz unterschiedliche Weise an den Blues herangehen. Das wird garantiert spannend.

Zudem zeigen wir im «Trudelkeller» Bilder aus den vergangenen 14 Jahren. Und wir lancieren im dortigen Restaurant während des Festivals erstmals einen Blues-Tisch. Hier kann man über Mittag oder am Abend Musiker oder Organisatoren des Bluesfestivals treffen und sich mit ihnen austauschen.

 

Wenn Sie so zurückblicken: Wie hat sich das Bluesfestival in all den Jahren verändert? 

Das Festival bestand vom ersten Anlass an aus ganz unterschiedlichen  Elementen. Ziel war es, aus verschiedenen Richtungen den Weg zum Blues zu ebnen, sei dies mit Musik, Film oder Workshops. Diese Gefässe sind in all den Jahren unterschiedlich gewachsen, sodass es jetzt nach «ganz viel» aussieht. Zu Beginn haben wir in zehn Badener Schaufenstern auf das Festival hingewiesen, mittlwerweile stehen uns über 24 Fenster zur Verfügung. Wir versuchen, ein gesundes Wachstum zu ermöglichen und uns weder finanziell noch kapazitätsmässig zu überlüpfen. Diese Strategie hat sich für uns als perfekt erwiesen. Von Experimenten haben wir allerdings die Finger gelassen.

 

Namhafte internationale Blues-Stars kommen fürs Festival ins «kleine» Baden. Wie klappt sowas? 

Vieles geschieht durch Mund-zu-Mund-Propaganda, und inzwischen kennt man uns in der Szene. Natürlich hat die Bandgruppe auch eine Wunschliste, nach der sie die Engagements vornimmt. Das ist nicht ganz einfach, manchmal ist das Programm des gewünschten Künstlers nicht passend zum Festival, manchmal sind es die Finanzen. Unser Ziel ist es jedoch immer, ein möglichst vielfältiges und spannendes Programm zu präsentieren. 

 

Ihr diesjähriges Highlight?

Sicher der Eröffungsabend mit dem Musik-Theater «Ich – Robert Johnson» mit dem Schauspieler Mathias Reiter. Ich bin echt gespannt, wie das Publikum darauf reagieren wird. Ebenfalls blicke ich mit Vorfreude dem Konzert von «Fantastic Negrito» entgegen. Und einer der seltenen reinen Frauenbands im Blues, dem «Rita Chiarelli Trio».

 

Mögen Sie bei so viel Blues in der Freizeit überhaupt noch Musik hören? 

Ich habe einen sehr breiten Musikgeschmack, neben Blues höre ich auch sehr gerne Reggae, World Music, Rock, ab und zu Country und Soul. Aber auch klassische Musik liegt bei mir drin.

 

Im Badener Film «Menschenstadt­geschichten» von Hubert Staubli und Michael Spindler haben Sie Tränen in den Augen, als Sie vom Festival erzählen. Aus Rührung? 

Nun ja, dabei ging es nicht ums Festival, sondern um die Stadt Baden. Diese liegt mir am Herzen, und darum engagiere ich mich kulturell, politisch und gesellschaftlich für diese schöne und besondere Stadt.

 

Und was hat Sie bis anhin am meisten berührt an einem Festival?

Die Momente, wenn es ganz still wird im Publikum und nur die Musik im Mittelpunkt steht. Wie zum Beispiel beim Konzert von Eric Bibb oder bei Hans Theessink und Terry Evans. Da konnte man eine Nadel fallen hören.

 

Wenn es das Bluesfestival nicht mehr geben würde, dann …

 …würde ich dies sehr bedauern. Damit würde eine Plattform für die Musik verloren gehen. Und die kulturelle Vielfalt unserer Stadt wäre um einen Teil kleiner.

 

Bluesfestival Baden
19. bis 26. Mai
www.bluesfestival-baden.ch  

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