Neue Klinik für Kinder und Jugendliche eingeweiht

Hell, farbenfroh und einladend präsentiert sich die neue Klinik für Kinder und Jugendliche in Königsfelden. Am vergangenen Montag wurde sie feierlich eingeweiht.

Entrée der Klinik
Entrée der Klinik (Bilder: ar)

von
Annegret Ruoff

03. November 2016
04:30

1 Kommentare

Die Zauberkinder aus Harry Potter und die Patienten einer Jugendpsychiatrie sind spezielle Menschen. Ihre Stärken sieht man nicht unmittelbar, sondern muss sie erst finden. In Anlehnung an die Zauberschule Hogwart aus dem Harry-Potter-Zyklus und deren vertrauensbildendem Fidelius-Zauber schafft die neue Klinik für Kinder und Jugendliche der Psychiatrischen Dienste Aargau PDAG mit unzähligen Innen- und Aussenräumen eine eigene sichere Welt, auf die sich die jungen Patienten verlassen können. Eingeweiht wurde das schweizweit einzigartige Gebäude auf dem Areal Königsfelden am vergangenen Montag, 14. November, nach einer zweijährigen Planungs- und Bauphase. Über 200 Gäste aus Politik, Verwaltung und Gesundheitsbranche nahmen am feierlichen Anlass im Beisein von Regierungsrätin Susanne Hochuli, Vorsteherin Departement Gesundheit und Soziales des Kantons Aargau, teil. 


Multiprofessionalität

«Mit diesem Bau wollen wir zeigen, dass die Psychiatrie ein Ort ist, den man nicht verstecken muss», betonte Hochuli. Das Gebäude verfüge deshalb über eine hohe Transparenz. Diese zeigt sich auch in den Arbeitsprozessen innerhalb der Klinik. «Es werden nicht nur neue Plätze geschaffen. Der Standort ermöglicht auch Multiprofessionalität, das heisst, die konstruktive und effiziente Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen», so Hochuli. Die Mitarbeiter seien begeistert von diesem Gebäude, unterstrich Stephan Kupferschmid, designierter Chefarzt der Klinik. Sichtlich stolz präsentierte er das schweizweit einmalige Konzept des Screenings, welches die Klinik einführt. Betroffene Familien können so mithilfe eines Online-Fragebogens bereits im Vorfeld der Behandlung wichtige Informationen erfassen. 

  • Patientenzimmer (Bild: zVg)
  • Patientenzimmer (Bild: zVg)
  • Küche
  • Gemeinschaftszimmer
  • Aufenthaltszimmer (Bild: zVg)
  • Schuleingang und gedeckter Pausenplatz (Bild: zVg)
  • Garderobe in der Schule
  • Schulzimmer
  • Treppenhaus
  • Ivo Lenherr, Architekt
  • Jürg Unger, abtretender Chefarzt
  • Lichtspektakel

Jürg Unger, abtretender Chefarzt und treibende Kraft hinter der Neukonzipierung, strich drei Komponenten heraus, die bei der Umsetzung des Neubaus erfüllt wurden: optimale Umgebung für Kinder und Jugendliche, hohe Flexibilität und funktionale Lösungen. Architekt Ivo Lenherr erläuterte den Nutzen des Building Information Modelling, eines Digitalisierungsmodells, mit welchem das Vorhaben während der Planungs- und Umsetzungsphase jederzeit modellhaft aufgezeigt werden konnte, was die komplexe Zusammenarbeit vereinfachte. Dieses Projekt sei ein Beispiel optimaler Teamarbeit, ergänzte Erich Erne, Verwaltungsratspräsident der für den Bau mitverantwortlichen Firma Erne Holding. 

Zum Abschluss des festlichen Teils wurde die Klinik mit einem beeindruckenden Lichtspektakel eingeweiht. Zur Filmmusik von Harry Potter flackerte Fenster um Fenster in einem bunten Farbreigen auf. 

Mit der neuen Klinik für Kinder und Jugendliche, die ein Bauvolumen von 17,5 Millionen hat und vom Totalunternehmen ERNE Holzbau und vom Architekturbüro Fugazza Steinmann Partner realisiert wurde, schliessen die PDAG eines der grossen Teilrojekte der «Gesamtsanierung Psychiatrie Königsfelden» ab. Mit drei Stationen mit je zwölf Betten sowie einer Tagesklinik mit 18 Betten – nebst dem Zentralen Ambulatorium für Kinder und Jugendliche ZAKJ und der Spezialsprechstunden – beherbergt die neue Klinik fast alle kinder- und jugendpsychiatrischen Angebote des Kantons unter einem Dach. 

Ivo Lenherr, Architekt
Ivo Lenherr, Architekt (Bild: zVg)


Interview mit Ivo Lenherr, Architekt

Ivo Lenherr, an welchem Ort in der von Ihnen gebauten Klinik halten Sie sich am liebsten auf?

Ivo Lenherr: Ich mag die Eingangshalle. Sie ist ein offener, transparenter Ort. Man fühlt sich willkommen. Durch die grossen Fensterflächen ist die Umgebung präsent, es entsteht grosse Transparenz. Früher waren psychiatrische Bauten geschlossene Anstalten.


Psychisch angeschlagene Kinder und Jugendliche brauchen eine spezielle Umgebung. Was galt es für Sie als Architekt zu berücksichtigen?

In einem Gebäude für Menschen in psychischer Not ist es wichtig, Orte zu schaffen, an denen sie sich wohlfühlen. Mal suchen sie die Gemeinschaft, mal wollen sie für sich sein. Beides muss seinen Platz haben. Zudem braucht es Raum für Persönliches. Die Schlafzimmer etwa sind ausgestattet mit gelben Bilderrahmen, die an die Wände gemalt sind. Dort können die Patienten Fotografien, Zeichnungen aufhängen, sich mit Persönlichem umgeben und einrichten.


Ein sicheres und verlässliches Umfeld für die Kinder und Jugendlichen zu schaffen, war eine Vorgabe des Projekts. Wie erreichen Sie das auf Ebene der Architektur?

Dies ist nicht einfach so sichtbar. Entscheidend ist das Bauchgefühl der Bewohner, denn Sicherheit und Verlässlichkeit entstehen dadurch, dass sie sich in diesem Gebäude wohlfühlen. Um dies zu erreichen, spiele ich mit Elementen wie Licht oder Transparenz. Zudem braucht ein so grosses Gebäude eine Logik, die Abläufe müssen Sinn machen und natürlich den Weg leiten. 


Das heisst?

Dieser Bau kommt fast ohne Signaletik aus, die Bewohnerinnen und Angestellten orientieren sich grösstenteils ohne Beschilderung. Sie werden geführt, indem die Gänge zum Beispiel konisch gebaut sind, sich zum Zentrum, zum Treppenhaus hin öffnen. Zudem besteht das Gebäude aus einem hohen Anteil von flexiblen Elementen, es passt sich jederzeit den Bedürfnissen der Benutzer und Bewohner an. Der Patient steht für mich stets im Mittelpunkt. Das zeigt sich etwa darin, dass der Bau zwar etwas von einem Labyrinth hat, aber gleichzeitig so konzipiert ist, dass man wieder hinausfindet. So betrachtet, ist das Gebäude Teil der Therapie. 


Der Architekt wird zum Therapeuten?

Ich muss die Bedürfnisse des Kunden durch und durch verstehen, damit ich ihnen entgegenkommen kann. Und weil das Bauchgefühl des Zielpublikums so entscheidend ist für die Qualität der Architektur, haben wir die Planungssitzungen für dieses Gebäude jeweils mit Harry Potter begonnen. Eine Mitarbeiterin hat uns zehn Minuten lang einen Einblick gegeben in seine Welt. So konnten wir uns in diese Zielgruppe einfühlen. In meinem Beruf übersetze ich die Bedürfnisse des Kunden in die Architektur. Es geht nicht darum, mich selbst zu verwirklichen. Vielmehr spiegle ich mein Gegenüber. In diesem Sinne bin ich als Architekt so was wie ein Psychiater der Gesellschaft. 

  • Notfallzimmer
  • Time-Out Raum
  • Schlafzimmer

Kommentare (1)

  1. René Erdenberger
    René Erdenberger am 17.11.2016
    Habe das ganze Lichtspektakel vor Ort mit meinen Mobile aufgenommen. (Nicht gerade aus der Besten Perspektive, die Tribühne war leider schon besetzt... :-) ) Beeindruckend allemal! Link zum Video: https://youtu.be/JzJbvB6hvzg
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