Mit den Händen sprechen

Stephanie Jost aus Rütihof ist Kursleiterin für Babyzeichensprache. Ihre Tochter Melissa wandte die Zeichen an, bevor sie sprechen konnte.

Melissa und Stephanie Jost zeigen das Zeichen für «Schlafen»
Melissa und Stephanie Jost zeigen das Zeichen für «Schlafen» (Bild: cl)

von
Claudia Marek

01. Februar 2018
11:20

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Melissa Jost ist jetzt zwei Jahre alt. Fröhlich zeigt sie mit den Händen die Zeichen für «Baum» und «Licht», als sie ein Bilderbuch anschaut. Nur noch selten benutzt sie die Zeichen, denn Melissa spricht schon gut und braucht die Babyzeichensprache nicht mehr, um sich ausdrücken zu können. Babyzeichen sind einfache Handzeichen, welche die Babys etwa ab dem Alter von sechs Monaten zeigen können. Die Zeichensprache ermöglicht eine Kommunikation, bevor die Kinder sprechen können.

Melissa hat mit neuen Monaten die ersten Zeichen gezeigt. «Das war eine wunderbare Erfahrung», erzählt Stephanie Jost. Als Erstes kamen die Zeichen für «Milch» danach folgten «mehr» und «Essen». Mit 15 Monaten verwendete Melissa etwa 30 Zeichen. Doch die Babyzeichensprache ermögliche nicht nur, dass die Kinder ihre Bedürfnisse ausdrücken können, sondern durch sie erhalten Familienmitglieder Einblick in ihre Gedankenwelt. 


Eltern sind begeistert

Stephanie Jost erzählt dazu ein Beispiel: Mit 13 Monaten habe Melissa eine Glasschüssel aus Versehen zerbrochen. Abends beim Einschlafen habe sie plötzlich inne gehalten und zeigte «Kaputt» und machte dazu ein Geräusch, wie wenn etwas zerbricht. So konnten die Eltern das Erlebte mit ihr nochmals durchgehen, danach sei sie friedlich eingeschlafen. «Die Babyzeichen ermöglichen so viel mehr, als ‹nur› die Kinder besser zu verstehen», schwärmt Stephanie Jost.

Stephanie Jost stiess nach der Geburt ihrer Tochter über eine Facebook-Stillgruppe auf die Zeichen, kaufte sich ein Buch dazu und fing mit den Gebärden an, als die Tochter etwa vier Monate alt war. Kurse gab es in unserer Region nicht, denn was in anderen Ländern ganz selbstverständlich ist, war hier noch Neuland. Das war für sie ein Grund, sich weiterzubilden und selber Kurse anzubieten.Sie wollte diese Möglichkeit der Kommunikation unbedingt weitergeben. Ihre Erfahrungen mit den Kursteilnehmern seien durchwegs positiv, erzählt sie. «Die Eltern sind begeistert, wenn die ersten Zeichen kommen und es wirklich funktioniert», sagt sie.


Vereinfachte Form der Gebärdensprache

Die Babyzeichensprache wurde in den 80er-Jahren in Amerika entwickelt, als vereinfachte Form der Gebärdensprache. Ein Kinderpsychologe stellte fest, dass hörende Babys, von denen mindestens ein Elternteil gehörlos ist, viel früher mit Gebärden sprechen, als Kinder gleichen Alters sprechen. Dadurch ist ein gegenseitiger Austausch möglich, bevor bei dem Baby die Mundmuskulatur ausgebildet ist. «Ich bin fasziniert, wie viel die Kinder schon verstehen, bevor sie es sagen können», sagt Stephanie Jost. Sie betont aber, dass es nicht darum geht, kleine Genies zu züchten, sondern zu erfahren, was dem Baby wichtig ist.

Die gesprochene Sprache wird unterstützt, und die wichtigen Worte werden mit Zeichen hervorgehoben. «Wir bieten die Zeichen ohne Druck an», betont Stephanie Jost. Ob ein Kind die Zeichen annehme oder nicht, sei ganz ihm selbst überlassen. Die Kurse eignen sich für Kinder ab sechs Monaten bis etwa zwei Jahren. Für werdende Eltern oder andere Familienmitglieder gebe es auch die Möglichkeit, einen Workshop zu besuchen. Stephanie Jost bietet Kurse in Hausen, Baden und Frick an.

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