«Mir ist wichtig, authentisch zu sein»

Fabienne M. Skarpetowski besuchte vor zehn Jahren die Kantonsschule Wettingen. Nun kehrt die Sopranistin für ein Konzert in die Aula zurück.

Freut sich auf das Konzert in ihrer alten Heimat: Sopranistin Fabienne M. Skarpetowski
Freut sich auf das Konzert in ihrer alten Heimat: Sopranistin Fabienne M. Skarpetowski (Bild: aru)

von
Annegret Ruoff

11. Januar 2018
08:00

1 Kommentare

Liebes(h)aus

Das Konzert von Fabienne M. Skarpetowski, Sopran, und Johanna K. Kulke, Klavier, bringt Lieder von Robert und Clara Schumann sowie von Hugo Wolf zur Aufführung. Nach der Veranstaltung wird ein Apéro serviert.


Samstag, 13. Januar
19.30 Uhr, Aula der Kantonsschule Wettingen
www.skarpetowski.com 

«Jetzt, nach zehn Jahren, ist für mich die Zeit gekommen, wieder an die Kanti Wettingen zurückzukehren. Nach meiner Matur habe ich Abstand gebraucht, wollte andere Orte kennenlernen, neue Wege gehen. Ich bin ein Mensch, der von Grund auf interessiert ist und immer wieder Herausforderungen sucht. Das hält mich wach und macht mich lebendig. So habe ich zum Beispiel im Dezember als Solistin in einem Musical gesungen, obwohl ich, abgesehen von meinen Anfängen, die ich mit Musicals bestritt, bisher hauptsächlich in der klassischen Domäne zu Hause war. Klar, das Musical war mehrheitlich ein Laienprojekt, und da muss man punkto Qualität Abstriche machen. Aber diese Begeisterung der Mitwirkenden, diese Energie, die da entsteht, hat mich richtig genährt. Auch war ich nach einer langen Phase von Prüfungen und Vorsingen, wo man immer auf sich selbst gestellt ist und zuweilen abgeschirmt von den Experten singt, froh, meinen Blick hin zu einem Publikum zu richten und nicht nur zu singen, sondern auch in eine Beziehung zu treten.

In meinem Business und gerade im Sopran-Fach ist die Konkurrenz gross. Das habe ich hautnah erfahren, als ich nach meinen Hochschulstudien in Zürich und Genf ins Opernfach wollte. In solchen Situationen auf dem Boden zu bleiben, verdanke ich unter anderem einem Leitspruch von Cicero, den ich noch von meiner aktiven Zeit in der Rhönrad-Riege Untersiggenthal mitnehme: Suche nicht, andere, sondern dich selbst zu übertreffen.› Mit der Rhönrad-Riege habe ich im Übrigen auch mein Bachelor-Projekt umgesetzt. 

Dass ich einmal Gesang studiere, hätte ich ursprünglich nicht gedacht.Ich wollte als Biologin oder Medizinerin die Urwälder erforschen, danach als Juristin für das Recht einstehen. Und dann, im dritten Kantijahr, zog es mich auf einmal zur Musik hin. Für die Aufnahmeprüfungen büffelte ich viel Theorie. In der Nacht vor dem ersten Test konnte ich nicht einschlafen. Da kam mein Vater ins Zimmer und sagte: ‹Fabienne, mach dir keine Sorgen! Wenn du es nicht schaffst, kannst du ja Mathe studieren.› – Das wollte ich auf gar keinen Fall, und so gab mir dieser Satz den richtigen Kick, sodass ich die Aufnahmeprüfungen in Zürich und Luzern bestand. 

Ich entschied mich für Zürich. Nach dem Masterstudium in Musikpädagogik, zu welchem ich parallel das Nachdiplomstudium Kirchenmusik/Chorleitung absolvierte, wollte ich in Übersee weiterstudieren. Ich sang an verschiedenen Orten vor und studierte die Aufnahmebedingungen. Die Studiengänge waren so teuer, dass ich mich hätte verschulden müssen. Als ich von Genf eine Anfrage bekam für ein Engagement am Grand-Théâtre, sagte ich zu. 

In den Studienjahren so viel parallel zu machen, war manchmal ganz schön hart. Aber heute bin ich froh um all diese Grundlagen, die mir eine hohe Flexibilität ermöglichen. Im Moment bin ich sowohl als freie Musikerin als auch als Gesangspädagogin und Chordirigentin tätig. Natürlich ist es zuweilen schwierig, alles aneinander vorbeizuschaukeln. Die verschiedenen Bühnenproduktionen, die jeweils sehr zeitintensive Probephasen mit sich bringen, daneben eigene Projekte zu entwickeln und auszuarbeiten, Konzertengagements, das Unterrichten an Musikschulen sowie die Planung der Chorarbeit auf ein bestimmtes Konzert hin: Das braucht eine gute Organisation, zumal der Beruf viel Reisen mit sich bringt. Ich bin froh, haben meine Angehörigen Verständnis für diese Vielfalt.

Das Programm, das ich mit der Pianistin Johanna K. Kulke unter dem Titel ‹Liebes(h)aus› zusammengestellt habe, ist eine schöne Mischung. Die Lieder von Robert und Clara Schumann, die aus einer Zeit stammen, wo man mit viel Pathos von den tiefen Gefühlen der Liebe sang, stehen in einem aufregenden Gegensatz zu den Werken von Hugo Wolf. Bei ihm kommt das Verrückte und Kecke in die Musik mit rein, verknüpft mit einer grossen sprachlichen Prägnanz. Besonders freue ich mich auf das Lied «Süsser Freund, du blickest mich verwundert an», bei welchem eine Frau ihrem Mann mitteilt, dass sie ein Kind von ihm erwartet. Jetzt, wo ich selbst schwanger bin, berührt es mich ganz besonders.

Ich bin froh, dass ich meinen Weg gefunden habe. Heute ist es mir wichtig, authentisch zu sein. Denn das ist es auch, was das Publikum schätzt. Und so freue ich mich auf das Konzert an der Kanti, wo sicher viele bekannte Gesichter im Publikum sitzen. Wenn es mir gelingt, die Herzen der Menschen zu öffnen, sie mit meiner Musik zu berühren und damit ein Stück weit aus dem Alltag hinauszureissen und in eine andere Welt zu entführen, dann habe ich meinen Job gut gemacht.»

Kommentare (1)

  1. Christine Von Allmen
    Christine Von Allmen vor 1 Woche
    Eine grandiose, begnadete Sängerin und Schauspielerin! Weiterhin viel Erfolg!
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