Ladies and Gentlemen bitten zum Tanz

Beschwingt präsentierten die Brugger Fünft- und Sechstklässler im Salzhaus neun Standardtänze. Gelernt hatten sie diese – im Klassenzimmer.

Ein Schülerpaar präsentiert einen Tanz, angeleitet von Janine Bredanger
Ein Schülerpaar präsentiert einen Tanz, angeleitet von Janine Bredanger (Bild: zVg)

von
Annegret Ruoff

12. Dezember 2017
16:30

Tanzen klingt lustig. Und Tanzen macht Spass. Das erfuhren die Besucher der Abschlussveranstaltung des Projekts «Dancing Classrooms» am Montagabend im bis auf den letzten Platz besetzten Salzhaus. Als erste Schule im Kanton nahm die Primarschule Brugg am innovativen Projekt teil. Gegründet wurde der Verein «Dancing Classrooms» 1994 in New York, seit 2010 sorgt er auch in der Schweiz  für Bewegung im Klassenzimmer. Unterstützt wurde das Projekt in Brugg durch «Kultur macht Schule» des Kantons Aargau sowie durch die «Julius Stäbli'sche Stiftung» und die Stadt Brugg.

Gestartet ist man mit «Dancing Classrooms» nach den Sommerferien. Während rund zehn Wochen übten die Fünftklässler von Evi Barmet und die Sechstklässler von Barbara Gabathuler verschiedene Gesellschaftstänze ein.


18 Lektionen und neun Tänze

Die bewegende Reise führte die Schülerinnen und Schüler während 18 Lektionen in verschiedene Länder. In der Dominikanischen Republik etwa lernten sie den Merengue kennen. Während des Tanzunterrichts eigneten sie sich aber nicht nur Rhythmen und Schrittfolgen an, sondern erfuhren zudem viel über die Hintergründe der verschiedenen Tanzformen und Kulturen. Begeistert erkundeten die Schülerinnen und Schüler mit ihren Körpern die Welt. Während 18 Lektionen übten sie neun Tänze, darunter sieben Gesellschaftstänze und zwei Line Dances ein, dies unter der fachkundigen Leitung von Tanzlehrerin Janine Bredanger. 


Fliege und Haarschmuck

Diese hiess, nach der Begrüssung von Schulleiterin Barbara Iten, die Anwesenden am Montagabend im stimmungsvoll glitzernden Kleid im Salzhaus willkommen. Und stellte, des Lobes voll, auch gleich die Hauptakteure des Abends vor, die «Ladies» und «Gentlemen» der fünften und sechsten Klasse, die zuvor eleganten Schrittes paarweise die Bühne betreten hatten. Die Knaben überraschten mit selbst genähter Fliege, die Mädchen mit eigens für den Anlass kreiertem  Haarschmuck. Gefertigt hatten sie die schmucken Accessoires während des Unterrichts im textilen Werken. 

Nun gab sich das Publikum im Salzhaus einen Abend lang ganz der mitreissenden Vielfalt der Rhythmen hin. Eingeleitet wurden die neun dargebotenen Tänze jeweils von Schüler-ensembles, die sich einen passenden Sketch, ein Musikstück oder ein Theater ausgedacht hatten. Danach präsentierte ein Paar den entsprechenden Tanz, bevor die ganze Gruppe miteinstieg.


Tango mit dem «Scorpion»

Los gings mit einem Merengue in der Körperhaltung von «knusprigen Pouletflügeli», «verbrannten Omeletten» und «Chopstick-Füssen», dargeboten von den Sechstklässlern. Die bildhaften Anweisungen von Janine Bredanger erheiterten das Publikum und gaben einen Einblick in den erfrischend-exakten Unterrichtsstil der Tanzpädagogin. Nach dem Merengue folgte mit der Anfangsschrittfolge «A-A, a-boom-boom, B» der Foxtrott. Daraufhin wirbelten die Tanzenden beim Swing durch den Saal. Eingeleitet wurde der Tanz mit dem fetzigen Song «Hit the road Jack», präsentiert von einem Schülerensemble.

Es folgten drei Tanzdarbietungen der Fünftklässler, die mit dem Rumba starteten und danach zum stilvollen «Wiegeschritt» des Walzers übergingen. Dann war die Bühne frei für die dramatischen Bewegungen des Tangos, dessen anspruchsvolle «Scorpion»-Stellung die Schülerinnen und Schüler mit Bravour meisterten.

Das Publikum war in freudig-gelöster Stimmung, als beide Klassen anschliessend zu lüpfiger Musik eine Polka aufs Parkett legten, die alle mit den anmutigen «Say good-bye, say hello»-Bewegungsfolgen bezirzte. Danach war Line-Dance angesagt, eine lockere Gruppenform, die ursprünglich zu Country und Pop getanzt wurde, heutzutage aber auch bestens mit Disco-Sound zusammenpasst, wie die powervolle Darbietung der Schülerinnen und Schüler zeigte. 


Mut, sich zu zeigen

Nun war – als Überraschung – das Publikum an der Reihe. Grossväter, Mütter, Onkel, Patinnen, Schulleiter und Geschwister wurden von den Profitänzern der Primarschule auf die Bühne geholt und flugs in den Merengue eingeführt. Als sich die bunt gemischte Gesellschaft in «verbrannter Omelette» und «knusprigen Pouletflügeli» übte, schwappte die Begeisterung der Beteiligten vollends aufs Publikum über, welches kräftig mitklatschte. 

Die farbige Schar, die sich da in der Mitte des Raums bewegte, machte deutlich, dass das Projekt Dancing Classrooms nebst der Vermittlung von Standardtänzen noch viel mehr fördert: den Mut, sich in der Bewegung auszudrücken und zu zeigen, spontan aufs andere Geschlecht zuzugehen und respektvoll miteinander einen Umgang zu finden. Auch wenn man sich zuweilen auf die Füsse trat, war die Präsentation geprägt von grosser Begeisterung und beeindruckendem Teamgeist.


Auszug im Paso doble

Mit einem bühnenreifen Abgang im «Paso doble» verabschiedeten sich die Schülerinnen und Schüler anschlies-send vom Publikum, dem sie ein letztes Mal adrett zuwinkten. Dieses belohnte ihre Darbietung mit grossem Applaus. Danach durften sich alle am international bestückten Buffet verköstigen. 

Die bewegende Präsentation im Salzhaus wirkte nachhaltig. Manch einer trat den Heimweg in beschwingtem Gang oder fröhlich vor sich hin trällernd an. Und so wünschte man sich zum Abschluss nichts mehr, als dass Tanzen ab sofort zum Pflichtfach erklärt würde.

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