Fokus: Veränderungen in der Arbeitswelt

Das Thema des Anlasses der NAB und des AGV im Campussaal Brugg/Windisch lautete «Die Mitarbeitenden von heute verstehen». Referenten boten Denkanstösse.

GV-Präsident Kurt Schmid und NAB-Ressortleiter Private Banking Roberto Belci (stehend, von links) mit Tonio Zemp, Kurt Aeschbacher und Philipp Riederle (sitzend, von links)
GV-Präsident Kurt Schmid und NAB-Ressortleiter Private Banking Roberto Belci (stehend, von links) mit Tonio Zemp, Kurt Aeschbacher und Philipp Riederle (sitzend, von links) (Bild: mw)

von
Max Weyermann

18. Juni 2017
09:00

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Die rund 550 anwesenden Unternehmer wurden von Fernsehmann Kurt Aeschbacher begrüsst, der als Moderator durch das Programm führte. Anschliessend hiessen auch die Gastgeber Roberto Belci, NAB-Ressortleiter Private-Banking-, Privat- und Firmenkunden, und Kurt Schmid, Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes (AGV), die Gäste willkommen. 


Flexibles Umfeld ist wichtig 

Der Fachkräftemangel ist heute ein Problem, mit dem viele Firmen zu kämpfen haben. Bei der Gewinnung passender Berufsleute spielt der Einbezug der Generation Y eine entscheidende Rolle. Mit der Frage, wie die zwischen 1980 und 1999 Geborenen leben und denken, hat sich Philipp Riederle intensiv auseinandergesetzt. Der 22-jährige «Insider» mit seinem seit 2008 erworbenem digitalem Know-how ist Deutschlands jüngster Unternehmensberater. Im Rahmen seines Vortrages schilderte er das Lebensgefühl der «Digital Natives», die in der neuen Kommunikationswelt aufgewachsen sind. Sie sind vernetzt und kreativ und sind daran, einen massiven Wandel von Gesellschaft und Arbeitskultur zu bewirken. «Wichtiger als Geld und Status erscheinen vielen von uns eine sinnvolle, abwechslungsreiche und ausbildungsmässig weiterbringende Tätigkeit, Mitgestaltungsmöglichkeiten, Selbstverwirklichung sowie die richtige Mischung von Arbeitsumfeld, Struktur, Kollegen und Arbeitsklima. Wir sind in hohem Masse leistungsbereit, aber nur wenn der Rahmen stimmt. Je flexibler die Arbeitszeiten und je flacher die Hierarchien, desto besser. 

«Junge Wilde» und «Alte Weise» 

«Wenn es eintönig wird und Zukunftsperspektiven fehlen, sind wir meist schnell wieder weg», so Riederle. Er plädierte dafür, dass sich die «jungen Wilden» und die «alten Weisen» auf Augenhöhe aufeinander einlassen. Diese Verbindung berge das Potenzial, ein Unternehmen weiterzubringen. Der Referent erwähnte zum Abschluss nebst den Vorteilen der digitalen Welt mit ihrem immer schneller ablaufenden Wandel in Sachen Kommunikation und Optimierung von Prozessabläufen auch die Probleme der fortschreitenden Automation. Diese ortete er hauptsächlich im Verlust von Arbeitsplätzen in vielen Berufsfeldern. Es sei aber trotzdem unumgänglich, dass Firmen die Digitalisierung die nötige Beachtung schenken, um im harten Konkurrenzkampf nicht abgehängt zu werden. 


Firma ohne Geschäftsleitung

Mit Tonio Zemp stand sodann ein Mann auf der Bühne, der seine Position selbst abgeschafft hat. Das «ehemalige Mitglied der ehemaligen Geschäftsleitung» (Zitat) der Webagentur Liip mit Standorten in Zürich, Bern, Freiburg, Lausanne und St. Gallen informierte das Publikum über die Erfahrungen, die er und die rund 
150 weiteren Mitarbeitenden mit dem neu eingeführten Organisationsmodell «Holocracy» gesammelt hatten. Im Unternehmen gibt es seit dem 1. Januar 2016 keine Geschäftsleitung und keine anderen Vorgesetzten mehr. Heute sind die Mitarbeitenden für ihre Tätigkeit und das Unternehmen selbst sowie gleichberechtigt verantwortlich. Sie können eigenständig die Organisation verändern oder nach Gutdünken Betriebsmittel einsetzen, um ihre Fähigkeiten wirkungsvoller einzubringen. Die vorhandenen Freiheiten werden gemäss Aussagen von Tonio Zemp, der ursprünglich für die strategische Weiterentwicklung der Firma zuständig gewesen war, nicht missbraucht, sondern mit grosser Verantwortung eingesetzt. Wie der Referent offen erklärte, ist die Implentementierung einer solchen neuen Struktur ein anspruchsvoller, gewöhnungsbedürftiger aber letztendlich positiver Prozess: «Grundsätzlich ist das von uns gewählte Organisationsmodell in jeder Firma denkbar. Voraussetzung ist eigentlich nur die Bereitschaft der Vorgesetzten, ihre Machtposition auch tatsächlich aufzugeben. Das ermöglicht die Partizipation der Mitarbeitenden und steigert deren Motivation», hielt Tonio Zemp fest. 


Unterhaltsame Talks

In mehreren eingestreuten Interviews und im Rahmen der abschliessenden Talkrunde entlockte Moderator Kurt Aeschbacher den beiden Referenten zusätzliche spannende Aussagen zur heutigen Arbeitswelt. Zum Ausklang der Veranstaltung im Campussaal waren die Anwesenden zum Networking-Apéro eingeladen, der Gelegenheit zum regen Gedankenaustausch bot.

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