«Es braucht langfristiges Denken»

Mit Freude blickt Markus Schneider auf die ersten 100 Tage als Stadtammann von Baden zurück. Er würde jederzeit wieder für das Amt kandidieren.

Markus Schneider an seinem Arbeitsplatz im Rathaus
Markus Schneider an seinem Arbeitsplatz im Rathaus (Bild: pg)

von
Peter Graf

12. April 2018
09:00

Markus Schneider, 52

war vor seiner Wahl zum Stadt­ammann von Baden bereits seit 2012 Mitglied des Stadtrats und seit 2013 als Vizeammann im Amt. Vor seinem Einzug ins Rathaus war Markus Schneider Mitglied der ­Geschäftsleitung der Securitas.

Markus Schneider, was hat Sie in den vergangenen 100 Tagen innerhalb der Verwaltung positiv überrascht?

Bedingt durch mein vorheriges Amt als Vorsteher Planung und Bau, wie auch als Vizeammann, konnte ich mich schon vorher von der Qualität der Führungsmitarbeitenden überzeugen. Jetzt darf ich täglich erfahren, wie gut die Leute hier in Baden sind. Die Zusammenarbeit hat von Beginn an funktioniert. Sowohl ich als auch das ganze Stadtratsgremium spüren das Vertrauen. Das ist sehr berührend und wichtig. 

 

Wie haben Sie nach Ihrer glanzvollen Wahl im November die Auflösung des bestehenden Arbeitsverhältnisses erlebt? 

Meine Kandidatur für dieses Amt war gegenüber meinem Arbeitgeber stets transparent und von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Als Mitglied der Geschäftsleitung durfte ich seitens meines Arbeitgebers viel Verständnis und grosses Entgegenkommen erfahren. Das hat mich in meinem Entscheid bekräftigt, und dafür bin ich sehr dankbar.

 

Wir sitzen hier im Stadtammannbüro. Seit Sie hier eingezogen sind, wurde einiges verändert.

Es handelt sich hier ja um einen historischen Raum in einem ebensolchen Gebäude. Um die Arbeit effizient und mit Freude auszuführen, aber auch vor dem Hintergrund, dass man viel Zeit am Arbeitsplatz verbringt, erachte ich es als wichtig, dass man sich wohlfühlt. Der zugegebenermassen moderne Touch der Einrichtung widerspiegelt mein Lebensgefühl. Der Arbeitsplatz mit Besprechungstisch und Sitzecke erleichtert und entspannt auch die hier stattfindenden Gespräche.

 

Wie geht es weiter im Bäderquartier?

In den vergangenen Wochen und Monaten konnten wenige sichtbare Veränderungen festgestellt werden. Nun ist aber die Zeit angebrochen, in der etwas Neues entstehen soll. Noch in diesem Monat wird der Spatenstich stattfinden. Zu lange konnte das gesundheitsfördernde Thermalwasser nicht genutzt werden. Wenn alles planmässig verläuft, sollte das neue Bad im Herbst/Winter 2020 in Betrieb genommen werden. Das Thermalbad mit Parkhaus, Wohn-/Ärztehaus und Präventions- und Rehabilitationsklinik im Verenahofgeviert ist für die Weiterentwicklung der Stadt und der Region von grosser Bedeutung. Nachdem ich über Jahre im Projekt involviert bin, habe ich entschieden, dieses bis auf Weiteres zur Chefsache zu machen.

 

Erfüllt der im Endausbau stehende Schulhausplatz Ihre Erwartungen?

Nach rund drei Jahren geht die Umgestaltung einer der meist befahrenen Kreuzungen der Schweiz dem Ende entgegen. Der Autoverkehr wird verflüssigt, der Busverkehr erhält einen eigenen Bustunnel sowie separate Bus­achsen. Aufgewertet werden aber auch die Velo- und Fussverkehrsverbindungen. Mit der Fertigstellung erhalten auch die Geschäfte der Vorstadt eine neue und wichtige Anbindung an die Innenstadt. 

Ich bin überzeugt, dass es sich gelohnt hat, verschiedene Ausführungsvarianten vertieft zu prüfen. Ein Gang durch die unter der Verkehrsfläche liegende Ebene für Fussgänger und Radfahrende eröffnet völlig neue Perspektiven. Stadtbewohnende, Geschäftsleute, Kunden, aber auch alle Verkehrsteilnehmende hatten während der Bauzeit viel Geduld bewiesen und sollen am 18. August mit einem Eröffnungsfest entschädigt werden. Es war wichtig und lobenswert, dass die am Bau beteiligten Unternehmungen immer gut informiert haben.

 

Können Sie die Bestrebung hinsichtlich einer Regionalstadt Baden nachvollziehen? 

Die Grösse der Stadt, so meine ich, lässt sich nicht über die Einwohnerzahl definieren. Die Ziele liegen woanders. Wichtige Infrastrukturaufgaben machen an den Gemeindegrenzen nicht halt. Sie sind auch eng mit dem effizienten Einsatz der finanziellen Ressourcen verbunden. Zudem gilt es, Synergien zum Beispiel in der Verwaltung oder im Sicherheitsbereich – Polizei, Feuerwehr – zu nutzen. Auch übergeordnete Fragen hinsichtlich Bildung, Gesundheit, aber auch Freizeit sollten gemeinsam gelöst werden. Dass dies möglich ist und es sich auch lohnt, hat Baden vor vielen Jahren mit den Beispielen Dättwil und Rütihof bewiesen. Der Weg für Zusammenschlüsse muss im gegenseitigen Vertrauen angegangen werden und wird auch nicht von heute auf morgen geschehen. 

Damit es gelingt, ist es die Aufgabe der Exekutive, den Lead zu übernehmen. Die Bevölkerung muss dahinterstehen können und von Anfang an in einen ehrlichen Prozess miteinbezogen werden. Der Stadtrat sieht sich in der Verantwortung und hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Thema in seiner neuen Besetzung wieder aufzunehmen und bei entsprechenden, grenzübergreifenden Treffen aktiv zu thematisieren. Die Region braucht langfristiges Denken, und wir müssen uns alle gemeinsam darüber klar werden, wohin sie will.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Kommentar erstellen

Der Schatz aus dem Sekretär

Weshalb hat das Dufourhaus in Brugg einen orientalischen Einschlag? Man erfährt... Weiterlesen

Abschied von der «Rotzhütte»

Viele Jahre haben Anne F. Staehelin und Samuel Ernst am Bruggerberg gelebt und... Weiterlesen

region

«Viele Nebenaugen waren unser Glück»

Die späten Frostnächte Ende April 2017 hatten bei den Winzern für schlaflose... Weiterlesen 0 Kommentare

region

Winterdienst kann verbessert werden

Ab sofort wird ein John Deere-Traktor der neusten Generation für die... Weiterlesen 0 Kommentare

region

Spatenstich im Bäderquartier

Im Badener Bäderquartier, einem Begegnungsort mit bewegtem geschichtlichem... Weiterlesen 0 Kommentare