Er jagt Wurzelbohrer und Zahnspinner

Peter Schär ist nicht Zahnarzt, sondern engagierter Hobby-Lepidopterologe. Er sammelt nachtaktive Schmetterlinge.

Peter Schär mit einem seiner zwölf Belegskästen
Peter Schär mit einem seiner zwölf Belegskästen (Bilder: sha)

von
Stefan Haller

13. Oktober 2017
09:00

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3420 Nachtfalterarten

In der Schweiz sind 3420 Arten von Nachtfaltern nachgewiesen. Die Nachtfalter sind ausser in den Fliessgewässern in fast allen Lebensräumen zu finden. Sie haben oft überraschend bunte Farben und manche Arten erreichen eine Flügelspannweite von 15 Zentimeter. Die Familien tragen humorvoll klingende Namen wie Spanner, Eulen, Wurzelbohrer, Sackträger, Holzbohrer, Glasflügler, Schnecken­spinner, Sichelflügler, Wollrückenspinner, Glucken, Schwärmer, Pfauenspinner, Zahnspinner, Bärenspinner, Trägspinner, Wickler, Zünsler, Federmotten sowie Miniermotten.

Insekten faszinieren Peter Schär seit seiner Kindheit. Schon als kleiner Junge beobachtete und fing er alles, was in der Natur kreucht und fleucht. «Zusammen mit dem Vater und meinem Bruder, aber auch mit meinen Kollegen verbrachte ich viel Zeit im Wald», meint der an der Brugger Museumsstrasse aufgewachsene 46-Jährige, der vor einigen Jahren nebenberuflich auch die Ausbildung zum Pilzkontrolleur absolvierte, im Moment dieses Amt aber nicht offiziell ausübt.

Seit rund 15 Jahren wohnt Peter Schär zusammen mit seiner Frau Britta und den drei Söhnen in einem Einfamilienhaus in der Au, direkt neben dem Eingang zum Steinbruch Jakobsberg. Und just hier wurde die Leidenschaft für das Hobby Lepidopterologie, wie die Schmetterlingskunde auf lateinisch heisst, wieder neu entfacht. Die Lokalität in der Au stellte sich als der perfekte Ort dafür heraus. Es gelang dem Hobbywissenschafter bis anhin einige Hundert Arten von vorwiegend nachtaktiven Schmetterlingen, den sogenannten Nachtfaltern, nachzuweisen, darunter auch einige sehr aufsehenerregende wie das Gelbe sowie das Blaue Ordensband, den Nagelfleck, das Nachtpfauenauge oder auch den Mittleren Weinschwärmer. Speziell das Gelbe Ordensband sei eine grosse Rarität in Mitteleuropa geworden, weiss der in Sachen Fachliteratur sehr belesene Schär. Er glaubt: «Man kann den Fang in Auenstein deshalb als eine kleine Sensation bezeichnen.» Ebenfalls bemerkenswert: In einem heissen Sommer der letzten Jahre konnte er einen aus Afrika eingeflogenen Linienschwärmer (Wanderfalter) an seinem Wohnort fangen.

Peter Schär ist überzeugt, dass diese Artenvielfalt unmittelbar mit der Nähe des Steinbruchs zusammenhängt. Die Raupen vieler nachgewiesener Falterarten bevorzugen als Lebensraum die Krüppelbäumchen von Pappeln oder Weiden, die auf dem kargem Boden gedeihen. Das ist gemäss Schär ein idealer Lebensraum für diese Raupen.

  • Peter Schär zeigt einen Kasten seiner Nachtfalter-Belegssammlung
    Peter Schär zeigt einen Kasten seiner Nachtfalter-Belegssammlung
  • Manche Arten erreichen fast die Grösse eines kleines Vogels
    Manche Arten erreichen fast die Grösse eines kleines Vogels
  • Auszug der Belegssammlung von Peter Schär aus Auenstein
    Auszug der Belegssammlung von Peter Schär aus Auenstein

«Falter mögen Steinbrüche»

Pestizide, unnötig oder zum falschen Zeitpunkt gemähte Ränder von Waldwegen sowie Lichtverschmutzung mögen Falter und ihre Raupen hingegen gar nicht. Schär ist überzeugt: «Ein Steinbruch ist Gold wert für viele Falterarten.» Auch der Ligusterschwärmer etwa komme in der Au vor. An vielen Orten sei er heute nicht mehr nachweisbar. «Ich war wirklich überrascht von der unglaublichen Artenvielfalt in der Au», so die Bilanz des engagierten Hobby-Schmetterlingskundlers. Seine Fangmethode ist denkbar einfach: Durch eine Lampe werden die nachtaktiven Falter angelockt. Manchmal setzt Schär auch gefangene Weibchen der gewünschten Spezies als Lockmittel ein. Die Falter setzen sich auf die Hauswand und werden von ihm eingesammelt. Dies frühmorgens, bevor der Ofenwart und Gärtner des Krematoriums im Friedhof Aarau jeweils zur Arbeit fährt. 


Zeitaufwendige Präparation

Mittels Essigäther werden die Insekten anschliessend in einem Glas fachmännisch getötet und später in einer 30-minütigen Sisyphusarbeit gespannt und präpariert. Die Handhabung der winzigen Nadeln, mit denen die Falter in einem Schaukasten der Belegssammlung für die Nachwelt erhalten werden, braucht enorm viel Geschick. 

Peter Schär wäre bereit, interessierten Fachpersonen seine eindrückliche Belegssammlung zu zeigen oder diese einem Museum auszuleihen. Zwölf Belegskästen mit total etwa 1600 Schmetterlingen haben sich in den letzten Jahren angesammelt, und jedes einzelne Exemplar ist detailliert mit Artenname, Fangdatum und -ort beschriftet. «Für mein Hobby habe ich wohl schon hunderte Fernseh­abende geopfert», kommentiert Peter Schär lachend. Zuletzt habe er sein Steckenpferd zurückgefahren und gehe im Moment wieder etwas mehr «in die Pilze», wozu speziell die bunten Herbstwälder zurzeit einladen. Für die Schmetterlinge ist dann ab nächstem Frühjahr wieder Zeit.

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