Ein Witz birgt Wahrheiten

Zwei äusserst kreative Köpfe, Urs Heinz Aerni und Hanspeter Müller-Drossaart, haben recherchiert, und wie. Entstanden ist ein hochstehendes literarisches Programm zum Thema «Witz».

Hanspeter Müller-Drossaart und Urs Heinz Aerni
Hanspeter Müller-Drossaart und Urs Heinz Aerni (Bilder: isp)

von
Isabel Steiner Peterhans

10. April 2018
11:00

Was passiert, wenn ein Schauspieler und ein Journalist gemeinsame Sache machen und ihre kreativen Ideen aufeinanderprallen. Genau, dann sprudelts eigentlich nur noch so. Und dies hat es ganz gehörig getan, vergangene Woche in Fislisbach. Hanspeter Müller-Drossaart und Urs Heinz Aerni touren nämlich seit geraumer Zeit mit ihrem anderthalbstündigen Programm «Witze à discrétion» durch die Schweiz. Die beiden umtriebigen Köpfe sind überzeugt, dass die Literaturgattung «Witz» sehr unterschätzt wird. «Witz ist eine Erzählform, die nicht nur unterhält, sondern auch Vorwissen bedingt. Denn es ist ja nötig, zu wissen, was realistisch ist, um dann zu verstehen, dass die Pointe nur deshalb eine Pointe ist, weil dies in der Realität unmöglich wäre. Und Witze bergen immer Wahrheiten», bestätigt Aerni. 

 

Kennen Sie den … ? 

So ungefähr starten viele Witze, und auch so legten die beiden Macher immer wieder einen Auftakt zu einer neuen Witzrunde. Gibt man den Begriff «geht ein Mann zum Arzt» bei Mr. Google im Internet ein, so erscheinen innerhalb von ganzen 39 Sekunden ungefähr 1'870'000 Ergebnisse oder Einträge zu diesem Thema. Nun ja, Aerni und Drossaart haben sich an diesem Abend schliesslich auf einige wenige reduziert. So streiften sie die Grobthemen, die immer viel Stoff für Witze hergeben: Mann und Frau, politische Witze, jüdische Themen, Blondinenwitze, Dreh- und Tabuwitze, auch Tierwitze sowie Stadt-/Land-Geschichten.  

 

Witze à discrétion 

Das Dachgeschoss des Kulturzentrums war rappelvoll und die Stimmung, wie könnte es anders sein, fröhlich und entspannt. Im Vorspann zu diesem heiteren Kulturabend schnitt Aerni doch kurz an, dass Witze erzählen gar nicht so einfach sei. Schliesslich müsse man sich diese auch merken können. Auch der Dialekt spiele eine äussert wichtige Rolle sowie das Erzähltempo, geschweige denn das bewusste Einlegen von Pausen. Für Aerni war der Event in Fislisbach übrigens sozusagen ein Heimspiel. Er ist hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und wie sich später herausstellte, hat sein Vater, der ebenfalls vor Ort war, auch das Kulturzentrum, also den Austragungsort, vor einiger Zeit selber umgebaut. Kreise schliessen sich, könnte man da (fast) hinzufügen.

Video-Impression des Abends in Fislisbach

 

Sechs Fragen an Urs Heinz Aerni

Wie sind Sie und Ihr Kollege, Hanspeter Müller-Drossaart, überhaupt auf die Idee für dieses Programm gekommen?

Nach mehreren gemeinsamen Auftritten als die «Bücherplauderer» haben wir festgestellt, dass Humor und Witz die Gemüter immer wieder anregt und beschäftigt. Das Programm gestalten wir individuell, und am liebsten würden wir gleich ein Witz-Seminar oder einen Workshop machen, so mit Fragen, was denn einen guten Witz ausmacht und wie entsteht überhaupt ein Witz?

 

Und wie lange haben Sie daran «getüftelt»?

Jeder für sich stundenlang, dann bereden wir das zusammen und stellen fest, was umgestellt werden muss, und am Abend selber, wird es wieder ganz anders, da die Dynamik des Publikums und der Umgebung sich wiederum völlig anders zeigt als erwartet.

 

Sind Sie auf Tournee damit und wenn ja, wo und wann?

Wir sind mit unterschiedlichen Sachen unterwegs, einmal als Gesprächs-Gig über Film und Schauspiel und dann eher über das Lesen und das Leben drum herum. Der Witzabend hat sich ergeben durch eine Einladung zu einem philosophischen Anlass in Zürich. Der nächste Auftritt wird in Vitznau sein aber wohl wieder ganz anders...

 

Wie kann ich das mit der Literaturgattung und Witz im Zusammenhang verstehen?

Wir reden von Krimi, Essay, Kolumne, Erzählung oder Novelle, aber nie vom Witz, der kürzesten Erzählform mit Ausgangslage, Plot, Figuren und Final.

 

Gibt/gab es ulkige Anekdoten während der Vorbereitungszeit zu diesem Programm?

Sicher, auch in der Nachbearbeitung, zum Beispiel im Hotel Schweizerhof Lenzerheide, war es in der Lobby dergestalt lustig, dass die noch anwesenden Besucher uns gleich nochmals Gage zahlen wollten.

 

Was ist das Besondere an Ihrem Programm, und wieso muss jeder sich das anschauen kommen?

Schauen Sie, Weiterbildung auch im Bereich der Kultivierung des Witzes kann dazu führen, dass man öde Smalltalks aufpeppen, neue Kontakte knüpfen oder gar einen langweiligen Abend retten kann. Wer will das nicht?

 

Einige Witze aus dem Programm

  • Ein Arzt eröffnet dem Jazzmusiker, dass er nur noch zwei Monate zu leben habe. Und dieser fragt zurück: «Wovon denn?»
  • «Mama, was macht eigentlich der Storch, wenn er die Babies abgeliefert hat?», fragt ein kleiner Junge. «Dann liegt er auf der Couch, schaut Fussball und trinkt Bier», antwortet seine Mutter.
  • Ein Bündner Bauer putzt seine Schafe. Er lässt die Tiere in einer kleinen Pfütze hin und her spazieren, die mit Chemie und Desinfektionsmittel gefüllt ist. «Was machen Sie denn da für einen Lambada-Tanz mit ihren Schafen», fragt ein verwirrter Tourist aus Zürich. «Lamm bada», entgegnet der Bündner verschmitzt.
  • Ein Jude liegt im Sterben. Alle seine Söhne sind bei ihm. Verwirrt fragt der Sterbende: «Wo ist Ruben?» «Ich bin hier», antwortet ihm dieser. «Und wo ist David?», fragt der Sterbende geschwächt kurz darauf. «Ich bin hier», antwortet ihm der andere Sohn. «Und wo ist mein Sohn Moische?», haucht der schwache Mann. «Ich bin hier», antwortet ihm dieser. «Und wer zum Teufel ist im Geschäft», wettert der Sterbende mit allerletzter Kraft.
  • Drei Buben unterhalten sich. «Bei uns in Österreich bringt der Storch die Babys», sagt der eine. «Bei uns in Deutschland dauert es neun Monate bis ein Baby auf die Welt kommt», sagt der zweite Junge. Da meint der Schweizer: «Bei uns ist das eben kantonal geregelt.»

 

 

Kommentare (1)

  1. Angela
    Angela vor 1 Woche
    Köstlich, einfach nur köstlich :-)
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