Der Wirtschaft bieten sich Chancen

Auf Einladung der Aargauischen Kantonalbank sowie der Wirtschaftsorganisationen bauenaargau und Swissmem fanden sich 600 Personen ein.

Blick auf das von Christine Honegger (rechts) angesagte Podium mit René Chopard, Marcel Koller, Donato Sconamiglio, Jean-Philippe Kohl, Urs Hofmann, Beat Kappeler, André Crelier und Moderator Andreas Schaffner (von links)
Blick auf das von Christine Honegger (rechts) angesagte Podium mit René Chopard, Marcel Koller, Donato Sconamiglio, Jean-Philippe Kohl, Urs Hofmann, Beat Kappeler, André Crelier und Moderator Andreas Schaffner (von links) (Bild: mw)

von
Max Weyermann

06. Dezember 2017
08:00

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Unter der Gesamtmoderation der bekannten Medienfrau Christine Honegger äusserten sich diverse Referenten zu aktuellen Themen. Die Entwicklungen an den Immobilienmärkten, im Bausektor und in der Exportindustrie standen ebenso im Fokus wie die möglichen Auswirkungen einer allfälligen Zinswende. 

Nach der Begrüssung durch den stellvertretenden AKB-Direktionspräsidenten René Chopard ging André Crelier, Präsident von bauenaargau, kurz auf die Bedeutung der schweizerischen Bauwirtschaft mit ihren rund 320'000 Beschäftigten (darunter 25'000 Lernende) ein. Er wies darauf hin, dass im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung konventionelle Arbeits- und Kommunikationsmethoden an Grenzen stossen. Das heutige Management der Daten empfindet er nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als Chance für die Wirtschaft, inklusive Bausektor. 


Regierungsrätliche Grüsse

Landammann Urs Hofmann, Vorsteher des Departementes Volkswirtschaft und Inneres, betonte in seiner Grussadresse, dass unsere Unternehmungen angesichts der Globalisierung und der rasanten technologischen Entwicklungen nicht um die Herausforderungen der Digitalisierung herumkommen. Der Aargau unterstütze die Wirtschaft mit guten Rahmenbedingungen, so zum Beispiel mit der Förderung der Forschung und Entwicklung sowie des Wissenstransfers hin zu den Firmen. Es gehe insbesondere darum, innovative und entsprechend hochwertige Produkte und Dienstleistungen zu generieren. Aber auch die öffentliche Hand sei zunehmend in den Digitalisierungsprozess involviert.

Anschliessend wartete AKB-Chefökonom Marcel Koller mit einer Prognose der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf. Er führte aus, der nach dem Frankenschock von 2015 nun endlich wieder auf ein höchst willkommenes Niveau gestiegene Eurokurs bringe insbesondere unseren exportorientierten Unternehmungen eine wirksame Entlastung. Die Konsumentenstimmung in vielen Ländern verbessere sich laufend, und auch in der Schweiz sei ein Konjunkturaufschwung in Form eines eigentlichen Booms zu verspüren. In diesem Aufschwung sei wohl in nächster Zeit mit gewissen Zinsanpassungen zu rechnen. In Sachen Börse mit ihren aktuell als hoch empfundenen Bewertungen äusserte sich Koller nach wie vor vorsichtig optimistisch.


Wohnungsleerstände nehmen zu

Donato Sconamiglio, CEO und Partner der IAZI AG, Zürich, gab mit Fokus Aargau/Solothurn einen Rück- und Ausblick auf die eingetretene und erwartete Entwicklung der Immobilienmärkte. Er betonte, in der Schweiz seien die Staatsschulden verglichen mit anderen Ländern gering, die Privatschulden jedoch sehr hoch. An sich würden sich Hypothekentilgungen empfehlen. 

Die Hauspreise sind in den letzten Jahren je nach Region stark gestiegen und für Durchschnittsverdiener oft kaum mehr erschwinglich. Speziell im Sektor Mietwohnungen wird praktisch ungebremst weitergebaut, was speziell bei älteren Liegenschaften zu Leerständen führen kann. So besteht in der Schweiz ein Überangebot von rund 65'000 Wohnungen. Dazu trägt auch die jüngste Abnahme der Zuwanderung bei. 

Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor Swissmem, Zürich, ging aus Sicht der mit 320'600 Beschäftigten grössten Industrie-Organisation unseres Landes auf die Entwicklung des zweiten Sektors ein. Er wies darauf hin, dass sich die infolge des Frankenschocks stark eingebrochene Ertragslage eines erheblichen Teils der MEM-Unternehmungen nun dank der gesunkenen Bewertung unserer Währung erhole, sodass wieder vermehrt Substanzaufbau möglich sei. Angesichts steigender Auftragseingänge zeige sich ein Silberstreifen am Horizont. Eine positive Agenda für den Aufschwung sei jedoch auf den Erhalt der bilateralen Verträge mit der EU angewiesen.


Kommt die Zinswende?

Buchautor und Kolumnist Beat Kappeler blickte auf die seit 1982 erfolgten Zinssenkungen zurück und stellte Überlegungen an, was eine Zinswende nach oben bringen würde. Er kritisierte namentlich die internationale Geld- und Kreditpolitik (auch der Europäischen Zentralbank) zu äus­serst günstigen Konditionen, wobei er die in «unverantwortlicher Weise» überbordende Schuldenmacherei als Geldinfarkt bezeichnete. Er propagierte unter anderem eine Rückkehr zu soliden Verhältnissen, die jedoch da und dort wegen der astronomischen Zahlen praktisch nicht möglich zu sein scheint. Kappeler sprach die Hoffnung aus, dass die Bürger – unter anderem angesichts allfällig denkbarer unpopulärer Massnahmen – das Vertrauen in die äusserst komplexen und damit schwer durchschaubaren Finanzsysteme nicht verlieren.

Im Rahmen der abschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung des stellvertretenden AZ-Chefredaktors Andreas Schaffner wurde nochmals auf die von den Referenten erörterten Themen eingegangen.

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