«Arbeit hält jung»

Max Brotschi aus Hausen verkauft, repariert und programmiert seit 50 Jahren Registrierkassen. Er denkt überhaupt nicht ans Aufhören.

Max Brotschi in seinem Geschäft
Max Brotschi in seinem Geschäft (Bild: cl)

von
Claudia Marek

15. Februar 2018
09:00

Max und Ilse Brotschi sitzen am Tisch in ihrem heimeligen Wohnzimmer ihres Einfamilienhauses in Hausen und erzählen aus ihrem Leben. Das Telefon läutet. Jemand hat ein Problem mit seiner Registrierkasse. «Es rufen im Moment sehr viele Kunden an», erzählt Max Brotschi, nachdem er dem Herrn am Telefon Auskunft gegeben hat. Da die Mehrwertsteuer auf 7,7 Prozent gesenkt wurde, müssen die Kassen umprogrammiert werden.  Viele Kunden brauchen dafür seine Hilfe. Manchmal läutet das Telefon auch in der Nacht.


Keine Ferien

Max Brotschi kennt keinen Feierabend. Und auch kein freies Wochenende oder gar Ferien. «Wir haben 41 Jahre lang keine Ferien gemacht», ergänzt er. Das stört weder Max noch Ilse Brotschi. Sie sind es nicht anders gewohnt. Man sei schon in ihrer Kindheit nie weggefahren, erklären sie. Ilse Brotschi hat ihren Mann immer tatkräftig unterstützt. 

Früher begleitete sie ihn oft auf seinen Fahrten quer durch die Schweiz. Heute nimmt sie vor allem die Telefonanrufe entgegen, wenn ihr Mann unterwegs ist. Unterstützung hat das Ehepaar von Tochter und Schwiegersohn, die auch in Hausen wohnen. «Sie machen den ganzen Bürokram», sagt Max Brotschi und lächelt. «Das ist eine grosse Erleichterung.» Daneben denkt er aber überhaupt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Auch wenn er bereits 77 Jahre alt ist. «Arbeit ist Therapie», betont er. «Sie hält jung.» Er habe seine Arbeit immer gern gemacht. 


Ein Mann, der durch Wände geht

Die Wendung im Leben des damaligen Lastwagenchaffeurs kam vor über 50 Jahren. «Ich zügelte damals mit dem Lastwagen einen Trax», berichtet Max Brotschi. In der Mittagspause ging er in ein Restaurant, nahm die Zeitung und blätterte ein bisschen in ihr. Ein Inserat stach ihm in die Augen. Mit fetten Buchstaben stand geschrieben: «Gesucht: ein Mann, der durch die Wände geht.» Das sprach Max Brotschi an, der früh gelernt hatte, dass es im Leben vollen Einsatz braucht. Eine Firma suchte einen Mann, der Kaffeemühlen, Waagen, Fleischschneide-Maschinen und Registrierkassen vertreiben wollte. Seine Kollegen waren erst skeptisch, ob er dafür geeignet sei. Aber für ihn sei es klar gewesen: «Das will ich machen!» Sein Gefühl täuschte ihn nicht. Er machte diese Arbeit nicht nur sehr gerne, er war auch sehr erfolgreich. Max Brotschi öffnet das Fotoalbum und zeigt auf das Schwarzweissbild mit dem VW-Bus. Mit diesem fuhr er quer durchs Land zu den Kunden. 

Vor 30 Jahren machte sich Max Brotschi selbständig und eröffnete das Kassen-Center in Hausen. In diesem bietet der erfahrene Fachmann noch immer neben dem Verkauf von Modellen der Marken Casio und Omron auch Occasionen zum Kauf an. Er repariert und programmiert die Maschinen und besucht die Kunden. Max Brotschi ist weit herumgekommen. Den Kilometerstand auf seinem Auto misst er seit 1959. «Ich habe 5'247'000 Kilometer gemacht», erzählt er stolz. 


Immer vollen Einsatz

Max Brotschi gibt nicht nur in seinem Beruf vollen Einsatz, sondern auch in seinem Hobby. Seit 1974 wurde er neun Mal Schweizer Meister im freien Zapfenfischen. «Was er macht, macht er gut», betont Ilse Brotschi. Und tatsächlich, in einem Zimmer im Untergeschoss reihen sich auf einem Gestell die Pokale. 137 Pokale und 300 Medaillen hat sich Max Brotschi im Wettfischen geholt. «Fischen ist eine Wissenschaft», so Brotschi, fängt an zu schwärmen und erklärt, worauf man  achten muss, um einen Fisch an der Angel zu haben. Aber bevor er weiter ausholen kann, läutet bereits wieder das Telefon.

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