«2022 wollen wir an die Olympiade»

Am vergangenen Wochenende kam es in Baden zum Kräftemessen der Welt-Elite des Curling. Mit dabei war auch ein Spieler aus Wettingen.

Curling bringt Eiszeit nach Baden
Curling bringt Eiszeit nach Baden (Bilder: ag)

von
Annabarbara Gysel

07. September 2017
09:00

1 Kommentare

Die Nerven der Zuschauer hinter der Glasscheibe liegen blank. Alle Blicke sind auf das Eisfeld im Curling Center gerichtet. Drei der vier Spielfelder sind bereits leer. Soeben ist das Team aus Schweden – die Weltnummer 1 – als überlegener Sieger vom Eis gegangen. Nur auf dem äussersten Feld tobt noch ein erbitterter Kampf um wertvolle Punkte. Die beiden Schweizer Teams aus Bern (Skip Yannick Schwaller) und Gstaad (Skip Stefan Stähli) liefern sich ein ausgeglichenes Spiel. Nach über zwei Stunden und den acht zu spielenden Ends steht es 4:4. Das Zusatzend muss die Entscheidung bringen. Die Zuschauer hält nichts mehr auf ihren Plätzen. Dann, ein Aufschrei: «Jawohl!» – gefolgt von heftigem Applaus und gewaltigem Stimmendurcheinander. 

  • Team Schwaller träumt von Olympia 2022: Romano Meier (Ehrendingen), Michael Brunner (Appenzell/Bern), Marcel Käufeler (Wettingen) und Skip Yannick Schwaller (Halten)
    Team Schwaller träumt von Olympia 2022: Romano Meier (Ehrendingen), Michael Brunner (Appenzell/Bern), Marcel Käufeler (Wettingen) und Skip Yannick Schwaller (Halten)
  • Mit Leidenschaft dabei: Marcel Käufeler spielt seit 14 Jahren Curling
    Mit Leidenschaft dabei: Marcel Käufeler spielt seit 14 Jahren Curling
  • Curling bringt Eiszeit nach Baden
    Curling bringt Eiszeit nach Baden (Bilder: ag)

Ein knapper Sieg im Zusatzend

Ein Blick auf die Anzeigetafel bestätigt: der Entscheid ist gefallen. Mit einem einzigen Stein im Haus sichert sich das Team Schwaller aus Bern den entscheidenden Punkt für die Führung und den Sieg. Ein Sieg, der für die vier jungen Männer den Einzug in den Viertelfinal der Baden Masters bedeutet. Die Freude ist auch beim Publikum gross – denn im Berner Team ist mit Marcel Käufeler ein Badener an den Masters vertreten. Nach den ersten Gratulationen hat der 23-Jährige Zeit für ein kurzes Interview mit «effingermedien.ch».


Marcel Käufeler, was bedeutet der Sieg dieses Gruppenspiels für Ihr Team?

Das Baden Masters ist eines von etwa elf Turnieren in dieser Saison. Es ist sicher wichtig für uns, dass wir früh einen guten Start in die Saison hinlegen können. Am Baden Masters nehmen Weltklasse-Teams teil. In der ersten Runde konnten wir die Weltnummer 1, das Team Schweden, schlagen. Es war eine Gruppe mit schwierigen Gegnern – trotzdem haben wir den Einzug in den Viertelfinal geschafft und damit exakt das Ziel erreicht, das wir uns als Team für die Turniere gesetzt hatten.


An diesem Wochenende steht Curling in Baden im Zentrum. Ansonsten zählt diese Sportart aber noch immer zu den Randsportarten. 

Immerhin: Gegenüber anderen Ländern ist Curling in der Schweiz ziemlich populär. Aber klar, es ist trotzdem immer noch eine Randsportart. Das sieht man nicht zuletzt an den finanziellen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.


Was hat Sie motiviert, mit dem Curlingspielen anzufangen?

Mein Vater spielte Curling im Breitensport. Ich wollte mich ebenfalls sportlich betätigen, und so habe ich vor 14 Jahren mit dem Curling angefangen. Dann bin ich hängen geblieben. Ich schaffte es, bei den Junioren vorne mitzumischen. Vor drei Jahren wechselte ich schliesslich zu den Herren. Das war für mich ein ziemlich grosser Schritt. Denn es ist schwierig, den Anschluss an die Spitze zu finden. 


Warum haben Sie sich für ein Team aus Bern entschieden?

Die Teambildung ist im Curling allgemein speziell: In unserem Team gibt es einen Solothurner, einen Appenzeller, einen Ehrendinger, und ich selber bin ein Wettinger. Im Curling ist nicht entscheidend, dass sich vier Spieler aus derselben Ecke der Schweiz «finden». Entscheidend ist vielmehr, dass die Spieler gut miteinander auskommen und auf demselben Niveau Curling spielen. 


Wie trainiert ein Team, das über die ganze Schweiz verteilt ist?

Meistens trainieren wir blockweise. Wir haben gerade ein dreiwöchiges Trainingslager in Baden absolviert. Am Montag werden wir nochmals hier arbeiten und gehen anschliessend für drei Wochen nach Kanada. Wir trainieren auch oft in Magglingen oder alleine – und das praktisch jeden Tag.


Wie gestaltet sich Ihr berufliches Leben neben dem Curling?

Im Sommer arbeite ich 60 bis 80 Prozent und im Winter 20 bis 30 Prozent als Kaufmann in einer Finanzverwaltung. Das setzt voraus, dass man entweder einen kulanten Arbeitgeber hat oder studiert. Viele junge Curlingspieler studieren. Ich selber habe einen tollen Arbeitgeber, der mir sehr flexible Arbeitszeiten ermöglicht. Das führt dazu, dass ich hin und wieder am Wochenende arbeite und unter der Woche oft abwesend sein kann. 


Wie sehen Curling-Träume Ihres Teams für die kommende Zeit aus?

Wir wollen dieses Jahr Schweizer Meister werden. Das Genfer Team – die Nummer 1 der Schweiz – spielt  nicht bei der Meisterschaft mit, sondern nimmt an den Olympischen Spielen teil. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die Schweiz an der Curling-Weltmeisterschaft zu vertreten. Und 2022 wollen wir dann an die Olympiade.


Im Viertelfinal musste sich das Team Schwaller mit 5:6 geschlagen geben. Den Sieg am Baden Masters sicherte sich das Team aus Schweden.

Kommentare (1)

  1. Dorothea Gysel-Basler
    Dorothea Gysel-Basler am 08.09.2017
    Ein sehr kurzweiliger und unterhaltsamer Bericht über eine faszinierende Sportart. Alles Gute und viel Glück dem ganzen Curlingteam für die weitere Sportlaufbahn.
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