Geschichte geht durch den Magen

Das Vindonissapark-Fest 2017 in Windisch bot einen erlebnisreichen Einblick in die Esskultur von der Antike bis zum Mittelalter.

Dani Gebert und Olivia Oeschger
Dani Gebert und Olivia Oeschger (Bilder: sit)

von
Saskia Iten

11. Oktober 2017
09:50

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Es ist Sonntag, Mittagszeit. Immer mehr Leute passieren den Eingang zum Vindonissapark-Fest 2017. Familien, Schlemmer und Geschichtsinteressierte: Sie alle sind an diesem Anlass genau richtig – denn es dreht sich alles um die Esskultur von Antike bis Mittelalter. Dani Gebert gibt mit einem Seitenblick zu Freundin Olivia lachend zu: «Ich bin schuld, dass wir heute hier sind.» Schuld ist wohl etwas übertrieben. Denn Freundin Olivia findet das natürlich überhaupt nicht schlimm. Sie ergänzt gut gelaunt: «Wir interessieren uns beide für die Geschichte – und Essen ist auch immer gut.»


Weniger ist mehr

Familie Werthmüller ist gerade bei der Station «Kochen im Haus des Centurio» angekommen. Die Luft wird von einem würzigen Duft erfüllt. Während über dem Feuer der Römerwein aus Honig, Lorbeer, Pfeffer, Dattel und Safran kocht, werden gegenüber knusprige Legionärsbrötchen gebacken. Familie Werthmüller hat den Besucher-Rundgang soeben begonnen, ist aber schon mitten im Geschehen. «Der Anlass eignet sich perfekt als sonntäglicher Familienausflug», so Mutter Esther Werthmüller. «Das Mittelalter zeigt uns, dass es einmal möglich war, mit weniger Konsum auszukommen. Auch wir wollen unseren Kindern mitgeben, dass weniger mehr ist.» In der Tat: Technologie war im Mittelalter noch kein wichtiger Begriff – trotzdem haben die Leute mit dem Einsatz von Naturprodukten viel erreicht. Davon ist auch Familie Stauffer beeindruckt. Während sich Frau und Kinder beim Bogenschiessen üben, schaut Vater Daniel gespannt zu. «Anhand der bisherigen Treffsicherheit hätten wir im Mittelalter wohl nicht überlebt», meint er schmunzelnd. 

  • Esther Werthmüller
    Esther Werthmüller
  • Daniel Stauffer
    Daniel Stauffer
  • Urs Suter
    Urs Suter
  • Gabriela Gehrig
    Gabriela Gehrig
  • Lina und Milo Hartmann
    Lina und Milo Hartmann

Gesund, natürlich und saisonal

Während sich die einen auf der Jagd bewähren, überzeugen sich andere lieber von der Beute. Dass die Kantonsarchäologie Aargau vor Ort ein Wildschwein am Spiess zubereitet, dürfte den Besuchern nicht entgangen sein. Urs Suter und sein Enkel lassen sich dieses Erlebnis nicht entgehen. Während Grossvater Urs vom ­geschmackvollen Aroma schwärmt, findet der Enkel ganz simple Worte: «Das isch aber fein!», sagt er zum Koch, der ihm eine Kostprobe gereicht hat. «Die Ernährung im Mittelalter war gesünder und saisonaler als heute», weiss Gabriela Gehrig von Museum Aargau zu berichten. Sie ist gerade dabei, einen typischen Fastenbrei zu kochen. Im Mittelalter habe es rund 130 Fastentage gegeben. An diesen Tagen sei kein Fleisch konsumiert worden, so Gehrig. Die Kostprobe vom Getreidebrei beweist sogleich: Die vegetarischen Gerichte standen den Fleischstücken im Mittelaltern nicht hinten an.

Lina Hartmann kann über die Zubereitung des Fastenbreis einiges berichten. Soeben hat das Mädchen den Köchinnen geholfen, Gemüse für den Fastenbrei zu rüsten. Diese Arbeit hat ihr grossen Spass gemacht. «Das hat mir bis jetzt am besten gefallen», gesteht sie munter. Bruder Milo berichtet lieber von der Jagd: «Ich habe einen Fuchs erlegt», erzählt er stolz und schwärmt sogleich vom leckeren Wildschwein, das er probiert hat. Als Nächstes planen die Grosseltern mit ihren Enkeln einen Abstecher zu den Römern. Auch da wird es noch viel auszuprobieren geben. Nur zu: Geschichte will gelernt sein. Wie geht das einfacher als durch den Magen?

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