Fuchs, du hast die Maus gefangen

Diese abgeänderte Variante des bekannten Kinderliedes «Fuchs, du hast die Gans gestohlen» trifft die Realität eher, denn der Fuchs ernährt sich in erster Linie von Mäusen. Seine Jagdtechnik ist der «Mäusesprung».

Fuchs bei der Mäusejagd
Fuchs bei der Mäusejagd (Bilder: bhe)

von
Beni Herzog

11. Januar 2018
08:00

3 Kommentare

Ende Januar letzten Jahres waren wir unterwegs, um Vögel zu beobachten. Wie so oft beim intensiven Absuchen der Landschaft, zeigt sich unerwartet ein ganz anderes Tier. An diesem Tag war es ein Fuchs, der direkt neben einer Hauptstrasse Mäuse jagte. Dies ist an sich ungewöhnlich, denn Füchse lassen sich bei Tageslicht selten in der offenen Landschaft blicken. Er bewegte sich langsam und vorsichtig über die mit Restschnee bedeckte Grasfläche und nahm immer wieder mit seiner feinen Nase die Witterung von Beutetieren auf. Hatte er eine Maus unter dem Gras oder Schnee entdeckt, stellte er seine Ohren und lauschte. Mit seinem sagenhaften Gehör kann der Fuchs die leisesten und höchsten Töne der Feldmäuse orten und so den genauen Standort seines nicht sichtbaren Opfers bestimmen. Nun setzte er zum typischen Mäusesprung an, bei dem er sich mit den Hinterbeinen in die Höhe katapultiert. Dabei kann er bis zu 4 Meter nach vorne springen. Vor der Landung auf den Vorderbeinen schnappt er mit seinem scharfen Gebiss von oben zu. Bei tiefer Schneedecke – was hier nicht der Fall war – bleibt er dabei oft mit dem Kopf im Schnee stecken. 

Unser Fuchs jagte sehr effizient. Praktisch nach jedem Sprung hielt er eine Maus zwischen den Zähnen. Während der Beobachtungszeit von nur 15 Minuten waren es drei Mäuse, bevor er aus unserem Blickfeld verschwand. 


Mäuse als Hauptnahrung 

Obwohl der Fuchs ein anspruchsloser Allesfresser ist, bilden Mäuse, d.h. Feldmäuse, Erdmäuse und Schermäuse sowie andere Kleinnager einen wichtigen Bestandteil seiner Nahrung. Er gibt sich saisonal aber auch mit Regenwürmern, Früchten und Beeren zufrieden. Aas gehört ebenfalls zum Nahrungsspektrum des Fuchses. Mit der zunehmenden Ausbreitung in die Siedlungsgebiete und sogar Grossstädte hat sich der Fuchs auch andere Nahrungsquellen erschlossen. Er reisst nachts Kehrichtsäcke auf oder räumt Mülltonnen aus, wo er haufenweise Küchenabfälle und Fleischreste findet. Auch bedient er sich an Futterstellen für Haustiere und Vögel. Obwohl wir ihn eigentlich als schönes Tier empfinden, haben viele Menschen Mühe damit, dass er nachts um die Häuser schleicht. Auch die Tatsache, dass er früher als Verbreiter der Tollwut und heute des Fuchsbandwurms gilt, trägt leider zu seinem Negativ-Image bei. 


Reineke, der schlaue Fuchs 

Schon in früheren Zeiten hatte der Mensch ein zwiespältiges Verhältnis zum Fuchs. Einerseits galt er in der Mythologie als Fruchtbarkeitssymbol. In einigen Gegenden in Deutschland nimmt der eierbringende «Osterfuchs» noch heute die Rolle des Osterhasen ein. Andererseits galt er als besonders schlau, wobei in den Fabeln und Märchen stets die hinterlistige und verschlagene Schlauheit des Fuchses herausgestrichen wurde, wie etwa in der Geschichte von «Reineke Fuchs». 

Auch im eingangs erwähnten alten Kinderlied «kriegt er sein Fett ab». Er wird als Gänsedieb bezeichnet und vom Jäger durch Abschuss abgestraft. Natürlich holt sich der Fuchs ab und zu ein Haushuhn, eine Hausente oder ein Kaninchen, denn Gelegenheit macht bekanntlich Diebe. Mit einer ausgewachsenen und wehrhaften Hausgans dürfte er schon einige Probleme haben. Die dritte Strophe des Liedes kommt der Realität wieder etwas näher, wenn es heisst: «Liebes Füchslein, lass dir raten, sei doch nur kein Dieb. Nimm, du brauchst nicht Gänsebraten, mit der Maus vorlieb.» 


Der Rotfuchs (Vulpes vulpes)

…ist der einzige mitteleuropäische Vertreter der Füchse und wird daher meistens als «der Fuchs» bezeichnet. Je nach Verbreitungsgebiet gibt es verschiedene Unterarten mit Variationen in der Fellfarbe, wie etwa den Silberfuchs. Von allen wildlebenden Raubtieren haben Rotfüchse das grösste geographische Verbreitungsgebiet. Sie können sowohl nördlich des Polarkreises als auch in fast tropischen Gebieten leben. Die nächsten Verwandten des Rotfuchses sind der Steppenfuchs, der Tibetfuchs und der Polarfuchs. Je nördlicher die Rotfüchse leben, desto kleiner sind ihre Ohren und desto dichter wird ihr rötliches Fell, sie verbrauchen dadurch weniger Energie. Dichteres Fell hält sie länger warm, kleinere Ohren müssen nicht so stark durchblutet werden. Rotfüchse, die südlicher leben, passen sich farblich ihrer Umgebung an. Sie sind eher sandfarben als orange-rot. 

Füchse sind nicht wasserscheu, ein Fuchs in einer seichten Stelle des Flachsees bei Rottenschwil
Füchse sind nicht wasserscheu, ein Fuchs in einer seichten Stelle des Flachsees bei Rottenschwil


Je nach Lebensraum variiert ihre Körperfarbe und -grösse. Mit einer Schulterhöhe von etwa 40 Zentimetern und einer Länge bis zu 1,20 Metern (inkl. Schwanz) werden Rotfüchse nicht sehr gross. Ein stattlicher Kater kann etwa dieselben Masse erreichen. Zudem sind sie schlank und leicht. Das durchschnittliche Körpergewicht liegt zwischen 5,5 und 7,5 Kilogramm. Ein Haushund von gleicher Grösse wiegt etwa das Doppelte. Aus diesem Grund werden Füchse in ihrer «Gefährlichkeit» oft überschätzt. Trotz ihrer scharfen Zähne stellen sie für Menschen, auch für Kinder, niemals eine Gefahr dar. Das Beutespektrum des Fuchses ist durch seine Grösse und Kraft eingeschränkt. Bei Feldhase und Reh ist der Fuchs in der Regel nicht in der Lage, gesunde und ausgewachsene Tiere zu ergreifen, er kann aber Jungtiere oder geschwächte Alttiere erbeuten. 

Darin unterscheidet er sich ganz wesentlich von seinem grösseren Verwandten unter den Wildtieren, dem Wolf. Weil Wölfe im Rudel jagen, können sie Beutetiere bis zur Grösse eines Elches erlegen. Der Fuchs hingegen jagt immer als Einzelgänger. 


Leben im Familienverbund 

Lange Zeit glaubte man, dass Füchse generell Einzelgänger sind. Diese These ist mittlerweile widerlegt. Im Gegensatz zu den anderen hundeartigen Raubtieren sind sie zwar oft allein auf Nahrungssuche, leben aber in einem sozialen Familienverbund. Rotfüchse pflegen eine monogame Paarbeziehung. Rüde (Männchen) und Fähe (Weibchen) durchstreifen dasselbe Revier, aber selten gemeinsam. 

Ihren Bau graben sie meist nicht selbst. Dachshöhlen bieten einen geeigneten Unterschlupf, sie werden manchmal auch gemeinsam mit dem Dachs bewohnt. Oft bauen die Füchse auch bestehende Kaninchen-baue aus. Dabei kommt es hin und wieder zu recht ungewöhnlichen Wohngemeinschaften, wenn sich Füchse mit Kaninchen den gleichen Bau teilen. Dabei gibt es keine Übergriffe von Seiten der Füchse auf ihre Mitbewohner. «Burgfrieden» nennen Verhaltensbiologen dieses Phänomen. 

Nach der Paarungszeit im Januar/Februar trägt die Füchsin ihre Welpen 52 bis 53 Tage aus. Zwischen März und April kommen vier bis fünf Junge auf die Welt. Beide Elterntiere kümmern sich um den Nachwuchs. In manchen Fuchsfamilien helfen auch die älteren Geschwister mit. Die männlichen Welpen verlassen meist schon im Herbst das Elternpaar, um ein eigenes Revier zu finden und eine Familie zu gründen. Die weiblichen Tiere dagegen bleiben meist länger und unterstützen ihre Eltern bei der Aufzucht der nächsten Generation. Die Grösse dieses Familienverbunds variiert je nach Lebensraum, Nahrungsangebot und Umweltbedingungen. 


Stadtfüchse – der Fuchs kommt zum Menschen 

Der Fuchs ist ein Nahrungsopportunist und stellt keine besonderen Anforderungen an seinen Lebensraum. Wälder, Grasland, Äcker und in jüngerer Zeit zunehmend auch Siedlungsgebiete sind geeignete Lebensräume für Füchse. Ab den 1980er-Jahren mehrten sich die Fuchsbeobachtungen in europäischen Grossstädten wie beispielsweise London, Berlin, Paris oder Zürich, was den Begriff des «Stadtfuchses» geprägt hat. Tatsächlich gibt es heute für Füchse in vielen Städten bessere Deckungs- und Nahrungsverhältnisse als in der umgebenden, oft durch die Landwirtschaft regelrecht ausgeräumten Kulturlandschaft. Der dichte Strassenverkehr stellt zwar eine Bedrohung dar, doch ist diese weitaus kalkulierbarer als der hohe Jagddruck, der in Wald und Feld auf Füchsen lastet. Insgesamt finden Füchse damit in Siedlungsgebieten meist bessere Lebensbedingungen vor als in freier Natur. 

Füchse im Siedlungsgebiet bedeuten aber auch ein gewisses Konfliktpotenzial: 


Tollwut 

Lange Zeit war der Fuchs ein Überträger der Tollwut. Diese Virusinfektion verursacht bei Tieren und Menschen eine akute, fast immer tödlich verlaufende Enzephalitis (Gehirnhautentzündung). Die Krankheit kann von Tier auf Mensch und umgekehrt übertragen werden. Zur Bekämpfung wurden ab den 1960er- Jahren massenweise Füchse in ihren Bauen vergast. Später wurden die Füchse immunisiert mit einer Impfkampagne, bei der die Impfköder von Hand, später per Flugzeug ausgelegt wurden. Dies zeigte Wirkung: in der Schweiz gilt die Tollwut seit 1999 als ausgerottet. 


Fuchsbandwurm 

Füchse können Träger des Kleinen Fuchsbandwurms sein, der im Darm des Fuchses lebt. Der Mensch kann sich in seltenen Fällen (3 – 4 Fälle pro Jahr und Million Einwohner in der Schweiz) anstecken, indem er Bandwurmeier aufnimmt und dann an einer Leberkrankheit, der Alveolären Echinokokkose erkrankt. Die seltene, aber ernste und oft chronische Erkrankung zeigt sich erst 5 bis 15 Jahre nach der Ansteckung. Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich stark verbessert. 


Fütterung 

Füchse müssen nicht unterstützt werden, sie kommen sehr gut alleine zurecht. Wer Füchse aus falsch verstandener Tierliebe füttert, erweist ihnen keinen guten Dienst. Füchse können dadurch ihre natürliche Scheu verlieren und sogar aufdringlich werden, daraus resultieren sogenannte «Problemfüchse». 


Verschwundene Gegenstände 

Immer wieder verschwinden im Frühjahr Gegenstände wie Schuhe, Gartenhandschuhe, Untersätze von Topfpflanzen etc. aus den Gärten. Dahinter stecken Füchse, welche diese für ihre Jungtiere als Spielsachen mitnehmen. Denn sobald die Milchzähne hervortreten, haben die Jungfüchse ein starkes Bedürfnis, auf geeigneten Gegenständen herumzukauen. Mit der Aufbewahrung in einer Kiste oder ähnlichem kann diesen «Verschleppungsfällen» vorgebeugt werden. 


Haustiere 

Begegnungen von Füchsen mit Hunden und Katzen verlaufen in der Regel friedlich. Füchse und Katzen gehen einander aus dem Weg oder man beäugt sich gegenseitig und der Fuchs zieht von dannen. Konflikte mit Haltern von Hausgeflügel oder Kaninchen gibt es nur, wenn diese Tiere nicht fuchssicher untergebracht sind. 

Übrigens: Obwohl der Fuchs zur Familie der hundeartigen Säugetiere gehört, weist er auch Merkmale von Katzen auf, etwa die senkrechten Pupillenschlitze, das Jagdverhalten (Mäusesprung) und die einziehbaren Vorderkrallen. Diese ermöglichen es dem Fuchs, einfache Kletteraufgaben zu bewältigen. Mit Katzen oder den exzellent kletternden Graufüchsen in Nordamerika können sie es aber bei weitem nicht aufnehmen. Allerdings können Rotfüchse ab und zu auf Dächern oder Bäumen beobachtet werden. 

Fuchs auf einer Weide am Klingnauer Stausee
Fuchs auf einer Weide am Klingnauer Stausee


Auch wenn Füchse in unserer unmittelbaren Nachbarschaft leben, bekommt man sie doch relativ selten zu Gesicht. Das hat mit ihrer vorwiegend nächtlichen Lebensweise sowie einer natürlichen Scheu vor dem Menschen zu tun. Sie nehmen uns wahr und fliehen, lange bevor wir sie sehen. 

Ab und zu ist jedoch der typische Ruf des Fuchses in der Nacht zu hören.


Fuchsjagd 

Die Fuchsjagd ist in den meisten Ländern gesetzlich zugelassen und, mit einigen Einschränkungen, ganz-jährig erlaubt. Der Nutzen der Bejagung zur Bestandsregulierung ist höchst umstritten, denn die Fuchsjagd kurbelt lediglich die «Produktion» des Nachwuchses an. Tier- und Naturschützer wehren sich daher gegen eine zu starke Bejagung. Für die Füchse selbst würde ein Jagdverbot bedeuten, dass sich wieder stabilere Familien- und Paarbindungen etablieren könnten. Die mittlere Lebensdauer der Füchse würde zunehmen, während individueller Stress, Geburten- und Sterberaten sänken. Vermutlich würde überdies die Stabilität der Fuchsreviere zunehmen. 

Da der Fuchs auch für bodenbrütende Vögel eine Gefahr darstellt, ist er teilweise auch bei Vogelschützern unbeliebt. In Brutkolonien von See- und Küstenvögeln kann ein einziger Fuchs eine ganze Generation von Seeschwalben, Uferschnepfen oder Brachvögeln auslöschen. Daher verfolgen an einigen Orten auch Natur-schützer den Fuchs mittels konsequenter Bejagung. Eine Alternative zum Schutz von Brutkolonien seltener Bodenbrüter ist die Einzäunung mit Elektrodrähten. Diese ist aber aufwändig und teuer. 

Zweifellos umstritten ist die sogenannte «Parforce-Fuchsjagd» in Grossbritannien zu Pferde mit Hunde-meuten. Die Art ihrer Durchführung führte zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Tierschützern und Jägern. Seit Februar 2005 ist die Parforcejagd in ganz Grossbritannien offiziell verboten, was die Diskussion um die Fuchsjagd als solche jedoch nicht beendet hat. 

Fuchs im winterlich eingeschneiten Aarschächli bei Rohr/Aarau
Fuchs im winterlich eingeschneiten Aarschächli bei Rohr/Aarau


www.benifoto.ch 

Kommentare (3)

  1. Silke Amrein
    Silke Amrein vor 1 Woche
    Habe Deinen Bericht sogleich nach England zu meiner Schwester, die sich so über die verbotene grausame Fuchsjagd dort aufregt gesandt. Leider wird sie immer noch ohne Folgen betrieben. In den sog. besseren Kreisen ist diese Quälerei ein gutes Geschäft. Wenn diese dummen Typen wüssten, welch guter Mäusefänger er ist... Interessanter Bericht und sooo schöne Bilder von diesem nützlichen Tier. Es scheint viele Mäuse zu geben, denn er ist recht wohlgenährt scheint mir.
    Vielen Dank
    Silke
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  2. Margrit Senn
    Margrit Senn vor 1 Woche
    Lieber Beni und Edith
    Wie immer ein super Beitrag. Und dann die Fotos. Ich kann mir vorstellen, wie viel Geduld dahinter steckt, um so eine Fotostrecke zu realisieren.
    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Freue mich schon auf den nächsten.
    Bin gespannt, was es sein wird.
    Margrit
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  3. Thomas
    Thomas vor 1 Woche
    Lieber Beni
    Deine Bilder, Deine Berichte, Dein Herzblut für die Natur -- einfach zu bewundern!
    Herzlichen Dank
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