Besuch aus Berlin

Ja, es gibt sie, die schönen Geschichten. Auch in Zeiten der Frankenstärke und der Euroschwäche. Auch hier, bei uns, in Grenznähe. Geschäftsführer Claude Werder von der Firma Werder Feinwerktechnik erlebte vor wenigen Monaten einen richtigen Aufsteller.

Die Samuel Werder AG stellt Produkte im Bereich der Feinwerktechnik her
Die Samuel Werder AG stellt Produkte im Bereich der Feinwerktechnik her (Bilder: pbe)

von
Peter Belart

15. Dezember 2015
21:07

1 Kommentare

Werder Feinwerktechnik in Zahlen

  • Familienunternehmen in zweiter Generation seit 1957
  • 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und fünf Lernende
  • 4‘500 m2 Produktionsfläche inklusive Erweiterungsbau
  • 71 CNC-Bearbeitungsmaschinen
  • 5 CNC-Messmaschinen im klimatisierten Messraum
  • Grosses Kunden-Fertigteilelager
  • Mitglied von SWISSMEM und SWISSMECHANIC
  • ISO 9001 / ISO 14001 / ISO 13485

Die Zeit schritt voran, «und ich erkundigte mich, wann sie ihren nächsten Termin hätten». Beim gemeinsamen Mittagessen hakte Werder nach: «Sind wir die Ersten oder die Letzten, die Sie hier in der Schweiz besuchen?» – Die Antwort verblüffte: «Nein, Sie sind die einzige Firma. Wir fliegen heute Nachmittag zurück nach Berlin.»

Und es kam noch besser: «Wir suchen eine langjährige, zuverlässige Partnerschaft.» – «Weshalb suchen Sie die nicht in Deutschland?» – «Dazu nur zwei Stichwörter: Bahnstreik und Freitagnachmittag.»

 

Beide müssen Freude haben

Wenig später traf eine Probebestellung ein. Es handelte sich um optische Komponenten für Laser-Schweissroboter. Wieder wunderte sich Werder: «Üblicherweise umfasst eine Probebestellung vielleicht 50 Stück eines relativ unkomplizierten Werkstücks. Doch hier war es anders. Der Auftrag lautete auf 200 Stück von komplexen Teilen.» Und schon bald kam eine Nachbestellung, so dass schliesslich 400 dieser Teile geliefert wurden.

«Inzwischen hat sich die Partnerschaft gefestigt. Wir konnten schon etwa sechs verschiedene Teile produzieren, komplexe Teile mit sehr engen Toleranzen und einer klar definierten Oberflächenbeschaffenheit.»

Der ganz grosse Aufsteller war eine Rückmeldung besagter Firma: Sie bedankte sich ausdrücklich für die perfekte Erstlieferung! Dazu Werder: «Das ist doch das Merkmal einer guten Partnerschaft: Beide Teile müssen Freude haben an der Zusammenarbeit.»

  • Raphael Vögtli ist für das Offertenwesen der Werder AG zuständig
    Raphael Vögtli ist für das Offertenwesen der Werder AG zuständig
  • Claude Werder, Geschäftsführer der Samuel Werder AG
    Claude Werder, Geschäftsführer der Samuel Werder AG
  • Feinwerktechnik-Produkte
Raphael Vögtli ist für das Offertenwesen der Werder AG zuständig Claude Werder, Geschäftsführer der Samuel Werder AG Feinwerktechnik-Produkte

Wegdiskutieren will das niemand. Die Zeiten sind für Schweizer Unternehmen alles andere als einfach. Das Ausland ist günstiger. Punkt. Man mag diese Tatsache beklagen; zu ändern ist sie nicht. Initiative Unternehmen besinnen sich in dieser Situation auf neue Betätigungsfelder oder auf ihre Qualitäten, die sie von Billigstandorten abheben. Qualitäten, die auch ausländische Geschäftspartner durchaus wahrnehmen und schätzen.

 

Offerte trotz allem

Die Anfrage kam per Mail. Irgendwann im Frühjahr 2015. Aus Berlin. Vertreter einer deutschen Firma waren offenbar im Internet auf die Samuel Werder AG aufmerksam geworden. Sie übermittelten Zeichnungen mit Fräs- und Drehteilen und baten um eine Offerte.

Claude Werder erinnert sich: «Offen gestanden mass ich dieser Anfrage keine grosse Bedeutung bei. In Deutschland gibt es ja auch gute Unternehmen, und ich durfte nicht erwarten, dass wir mit deren Preisen konkurrieren könnten.» Raphael Vögtli, der bei Werder AG für das Offertwesen zuständig ist, beurteilte die Dinge aber anders. Er holte die notwendigen Materialauskünfte ein, berechnete die Arbeiten und verschickte alles nach Berlin.

Dann geschah zuerst mal gar nichts.

Doch nach ein paar Wochen läutete das Telefon, und «Berlin» war am Apparat. Die beiden Vertreter erkundigten sich nach der Möglichkeit einer Firmenbesichtigung in Veltheim. «Sie wollten unsere Produktionsräume sehen, und das ist schon mal sehr gut, denn damit bekunden sie ja ein markantes Interesse, und wir können die ganzen Abläufe aufzeigen und erläutern.»

 

Die Einzigen

Ein Termin wurde vereinbart, und die beiden Herren erschienen pünktlich um 10 Uhr. «Auf dem Rundgang erkannte ich, dass die Gäste nicht nur sehr interessiert, sondern in der Materie auch bewandert waren», erinnert sich Werder. Kein Wunder: Sie vertraten einen der weltweit führenden Anbieter von Werkzeugen für die Lasermaterialbearbeitung mit Hochleistungslasern!

Kommentare (1)

  1. Dorothea
    Dorothea am 07.01.2016
    Wir Vältner sind mächtig stolz, diese Firma mit ihrem tollen Chef in unserem Dorf zu wissen!
    Antworten

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