«Brugg ist meine Home Base»

Sebastian Bohren kehrt im Rahmen der Reihe «Stretta Concerts» nach Brugg zurück. Die hiesige Stadtkirche ist für den Geiger ein Anker.

Geht konsequent seinen Weg: Der Geiger Sebastian Bohren (Bild: Marco Borggreve/zVg)
Geht konsequent seinen Weg: Der Geiger Sebastian Bohren (Bild: Marco Borggreve/zVg)

von
Annegret Ruoff

21. Juli 2017
08:25

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Sebastian Bohren, 30

wurde 1987 in Winterthur geboren und ist in Umiken aufgewachsen. Nach Abschluss des Kunst- und Sportgymnasiums studierte er Violine an den Musikhochschulen in Zürich, Luzern und München. Es folgten zahlreiche Meisterkurse. Als Solist tritt Bohren mit renommierten Orchestern im In- und Ausland auf. Seit 2013 ist er Mitglied im Stradivari Quartett. Er spielt die Stradivari-Violine «King George» aus dem Jahre 1710 der Stiftung Habisreutinger. Sebastian Bohren wohnt in Zürich.

www.sebastianbohren.ch

Sommerkonzert

Zusammen mit dem Ensemble Chaarts bringt Sebastian Bohren das Werk «Vier Jahreszeiten von Buenos Aires» von Astor Piazzolla zur Aufführung. Ebenfalls stehen die Streicherserenade von Antonin Dvorak sowie «Verdis Traum» des Schweizer Komponisten Martin Wettstein auf dem Programm. Das Konzert ist Teil der von Bohren geleiteten Reihe «Stretta Concerts» in Brugg.

Sonntag, 23. Juli, 17 Uhr

Reformierte Stadtkirche Brugg

Eintritt frei – Kollekte

Sebastian Bohren, welche Jahreszeit ist Ihnen am liebsten?

Der Frühling! Dann erneuert sich alles, frische Energie kommt auf. Und doch: Ich mag auch die Wanderlust des Sommers, die Farben des Herbsts und das Raclette im Winter.


Haben Sie denn in diesen Sommerwochen überhaupt Zeit zum Wandern?

Immerhin: Ich gönne mir fünf Tage Ferien in Zermatt.


Fünf Tage Sommerferien! Und das bei einem Programm von rund 90 Konzerten im Jahr. Erholen Sie sich da überhaupt noch?

Bis jetzt geht es. Viele Konzerte geben mir ja auch Kraft und Motivation. Wenns gut läuft, setzt das viel Energie frei. Wenns schlecht läuft, will das verdaut sein. 


Bleibt Ihnen denn Zeit zum Verdauen?

Die unheimlich schnelle Abfolge von Eindrücken und Erfahrungen ist tatsächlich eine Herausforderung in meinem Beruf. Kaum ist ein Projekt vorbei, folgt schon wieder das nächste.  So geht das Schlag auf Schlag.
90 Konzerte im Jahr sind ja eigentlich  noch wenig. Ich schätze, das wird in den nächsten Jahren noch anziehen.  Dann können es schnell mal 150 pro Jahr werden. 

Als Musiker weiss ich aber den Wert von Pausen zu schätzen. Nach grossen Konzerten gönne ich mir einen Tag, an dem ich wasche, putze, administrative Sachen erledige und einfach mal etwas anderes mache. In dieser Abwechslung von Tätigkeiten erhole ich mich besser als wenn ich mich einfach in den Liegestuhl lege.


Ihre Planung umfasst insgesamt einen Zeitraum von dreissig Jahren. Das klingt, so von aussen besehen, nicht gerade nach grosser Freiheit.

Bei der langfristigen Planung geht es ja eher um eine Richtung, die ich im Leben verfolge, und weniger um konkrete Ziele. Natürlich verändert sich immer alles, und wenn ich ein Ziel erreicht habe, fühlt es sich oft ganz anders an, als ich es mir vorgestellt habe. Bei allem, was unverhofft auf mich zukommt im Leben, ist mir wichtig, dass ich nicht aus den Augen verliere, warum ich losgelaufen bin. Und ich schätze es gar nicht, auf dem Weg hängen zu bleiben. Im Verfolgen meines Ziels bin ich konsequent bis zum Letzten.


Nebst aller Konsequenz: Brauchen Sie als Musiker nicht auch eine grosse Offenheit? Immerhin müssen Sie sich ja in kurzen Abständen immer wieder auf ganz unterschiedliche neue Stücke einlassen.

Auf der einen Seite gibt es Dinge, durch die muss man nun mal hindurch, wenn man weiterkommen will. Dazu gehört etwa, immer wieder neue Stücke zu lernen, sich immer wieder zu überwinden, auf die Bühne zu gehen. Ich versuche, das sportlich zu nehmen und manchmal auch einfach durchzubeissen. 

Auf der anderen Seite ist da eine grosse Kraft. Diese unbändige Lust am Spiel ist das Wichtigste. Und natürlich bin ich auf meine Weise ein totaler Fanatiker. Ich brenne für das Instrument, den Klang, die Musik. Für mich gibt es nichts Schöneres als Üben!


Für das Konzert vom kommenden Sonntag in Brugg üben Sie nun die «Vier Jahreszeiten von Buenos Aires» von Astor Piazzolla. Was gefällt Ihnen an diesem Werk?

Ehrlich gesagt, gefällt es mir gar nicht so. 


Das überrascht mich jetzt aber.

Ich habe das Werk von Piazzolla gewählt, weil es sich einem sehr schnell erschliesst und es sich deshalb gut für ein breites Publikum eignet. Hört man es zum ersten Mal, ist es fantastisch.Ich selbst habe es aber schon so oft gespielt, dass ich nicht mehr das Erlebnis habe, viel Neues, Unerwartetes zu entdecken. 

Piazzolla ist nun mal nicht Vivaldi. Er benutzt aber viele Zitate von diesem Komponisten und hat das Werk toll arrangiert. An manchen Stellen geht es sogar richtig ab! Und dann gibt es da auch die besonders schönen, langsamen, melodiösen Teile. Mir gefallen die wunderbaren Klangfarben und Stimmungen, die es transportiert. Man spürt die Hitze, die Freude: Es hat etwas Ergreifendes. 


Nun kommen Sie doch noch ins Schwärmen.

Das wird auch bei der Aufführung so sein. Spiele ich mit diesem wunderbaren Ensemble, noch dazu in der Brugger Stadtkirche, werde ich mich ganz der Musik hingeben und in ihr aufblühen. Zudem freue ich mich, mit der Reihe «Stretta Concerts» einen liberalen Gedanken umzusetzen, den ich auch lebe. Musik soll allen Menschen zugänglich sein. Deshalb basieren die Konzerte dieser Reihe auf einer Kollekte.


Sie spielen mittlerweile in den grossen Konzerthäusern der Welt. Warum kehren Sie trotzdem immer wieder nach Brugg zurück?

Ich freue mich sehr, dass ich immer wieder kommen und hier spielen darf! Für mich als Musiker ist es enorm wichtig, eine Home Base zu haben. Die Brugger Stadtkirche ist für mich ein Anker. Hier habe ich in der vierten Bezirksschule gespielt und davon geträumt, einmal mit einem Orchester in diesen Raum wiederzukehren. Immer wieder in Brugg spielen zu dürfen, ist für mich ein Riesenglück!

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